Du sitzt vor deinem Schreibtisch und starrst deinen Schönfelder an. Die Minuten schleichen dahin während in deinem Kopf eine Stimme in Dauerschleife wiederholt

„Du wirst es nicht schaffen! Hast du eigentlich eine Ahnung, wie viel Stoff noch vor dir liegt und wie wenig Zeit dir noch bleibt? Nie im Leben wirst du das schaffen. Niemals!“

Dir wird klar, dass du jede Minute die du hier zweifelnd verbringt eine Minute ist, die du eigentlich zum Lernen hernehmen müsstest. Und dass dir jetzt diese Minuten auch noch fehlen. Zu deiner ohnehin viel viel viel zu knappen Zeit. Du willst eigentlich nur noch weg. Weg vom Schreibtisch, weg aus dieser Examensvorbereitung und vor allem ganz ganz weit weg von Jura. Einfach aufstehen und den ganzen Mist hinwerfen.

Aber das machst du nicht. Denn erstens bist du schon so unfassbar weit gekommen und darauf kannst du unfassbar stolz sein und zweitens bekommst du jetzt ein paar Tipps zur Hand, wie man über diese Panikmomente hinwegkommt. Denn ich war genau dort. Wir alle waren genau dort. Panisch unseren Schönfelder am Anstarren. Und wenn wir es da raus geschafft haben, dann schaffst du das auch.

1. Lernplan nicht so vollpacken

Ich weiß, es sind noch eine Million Seiten zu Lesen und noch Tausende von Fällen zu Lösen. Aber niemandem ist geholfen, wenn du deine Tagespläne so vollballerst, dass du Morgens schon weisst, dass du das niemals schaffen wirst. Das macht nur zusätzlichen Druck und den wollen wir ja gerade vermeiden. Mir hat es sehr geholfen, morgens erst einmal mit Lesen zu beginnen. Ich bin in der ersten Stunde am Schreibtisch und vor dem 5. Kaffee einfach noch nicht besonders aufnahmefähig. Wenn es euch auch so geht, nehmt euch in der ersten Stunde etwas zur Hand, was euch langsam in den Tag starten lässt. Vielleicht lest ihr die Zusammenfassung vom vorhergehenden Tag oder eure „Fehlerübersicht“ (zur Erklärung der Fehlerübersicht hier lang) einmal durch? Ähnliches Prinzip gilt für den Abend. Keine Falllösungen mehr – man ist unkonzentriert und mit dem Tag einfach durch. Ich habe dann entweder noch ein oder zwei aktuelle Gerichtsentscheidungen gelesen oder meine Karteikärtchen durchgemacht.

2. Notfallplan für schlechte Tage

Wenn du morgens aufwachst und schon merkst, dass wirklich ein rabenschwarzer Tag ist, hilft auch der hübscheste Lernplan nicht. An diesem Tag geht es einfach nicht „nach Plan“. Du könntest jetzt entscheiden, im Bett zu bleiben und zu netflixen, weil du weißt, dass heute nichts Produktives bei rumkommen wird. Problem hierbei? Du wirst spätestens nach der dritten Folge der Serie von deinem schlechten Gewissen hören. Und von deiner Panik, denn woher genau weißt du, dass der Tag morgen besser wird? Was wenn ein weiterer rabenschwarzer Tag ansteht? Den Rest der Woche im Bett liegen bleiben? Klingt zwar verlockend – ist aber keine Option! Wir brauchen also einen Masterplan, um diese verflixten schwarzen Tage zu überstehen und diesen trotz mieser Stimmung und Panik so sinnvoll wie irgendwie möglich zu nutzen. Für mich hat ein Backup Lernplan hier am besten funktioniert. Hierbei habe ich Dinge wiederholt, die ich bereits ziemlich gut beherrschte, Fälle durchgearbeitet, die ich quasi schon auswendig konnte, BGH-Entscheidungen gelesen oder die nächsten Tage vorbereitet. Ich habe aber versucht, für mein Gewissen 8 Stunden am Schreibtisch „abzusitzen“. So kann man am Ende des Tages sagen, dass man den Tag trotz „Regenstimmung“ genutzt hat und wird ziemlich sicher am nächsten Tag wieder viel besser starten.

Sollte eine plötzliche Panikwelle mitten am Tag kommen, oder schon morgens wirklich überhaupt nichts gehen half bei mir: Aufstehen, Laufschuhe an und einfach Loslaufen. Musik so laut aufdrehen, wie es die Ohren zulassen und einfach rennen, bis man kaum noch geradeaus gucken kann (keine Sorge Leute, ich hasse Joggen genauso wie die meisten anderen. Aber das half irgendwie trotzdem. Ihr könnt alternativ auch 200 Burpees machen. Hilft in jedem Fall in Frust loszuwerden!)

3. Motivationsmusik

Egal ob ich morgens in die Bibliothek, zu meiner Lerngruppe oder am Ende zu den Klausuren gefahren bin, ich hatte immer meine Motivationsmusik auf den Ohren. Lieder, die einen zum Schmunzlen bringen, die einen an schöne Momente erinnern und die vor allem eins vermitteln: Du schaffst das. Ich packe euch hier mal einen Ausschnitt aus meiner Motivationsplaylist rein. Falls euch noch weitere Lieder einfallen, die euch besonders motivieren oder bei Laune halten, tippt das gerne in die Kommentare!

Ach .. das ein oder andere etwas „härtere Lied“ schadet übrigens nicht. Ich hatte auch Phasen mit den Beginnern (Achtung: Ahmna im Bus singen kommt nicht so gut an, wie man vielleicht meint) bis hin zu Rammstein. Manchmal muss es einfach laut sein und knallen :).

4. Belohnungen und Zeit für sich selbst

Etwas, das meiner Meinung nach in der Examensvorbereitung viel zu kurz kommt und dessen Wirkung vollkommen unterschätzt wird, ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Natürlich fühlt es sich erst einmal seltsam an, die ohnehin schon so knapp bemessene Zeit dann im Spa, bei der Nageltante oder beim Yoga zu verbaseln. Aber diese Zeit ist gerade NICHT verbaselt. Denn der Dreh- und Angelpunkt dieses Examens bist nunmal du. Dein Körper und dein Geist müssen tip top funktionieren und absolute Bestleistungen abrufen. Und das funktioniert meiner Meinung nach nur, wenn es dir körperlich und vor allem seelisch gut geht (zumindest so gut wie irgendwie möglich). Und damit meine ich nicht nur Yoga oder Massagen. Wenn du HSV Fan bist, dann geh samstags ins Stadion und lass dir dein Bier schmecken. Wenn gerad Weinfests ist und du total Lust hast, dann geh hin, nimm dir den nächsten Tag frei zum katern und ausschlafen und dann legst du am Tag danach einfach wieder los. Hauptsache du hattest mal wieder richtig Spaß, kommst runter und genießt etwas in vollen Zügen!

5. Motivationsarschtritt

So. Und jetzt kommt noch eine kleine, feine aber unheimlich wichtige Sache. Bei all dem Stress, all den Stunden am Schreibtisch und all der Zeit, die wir leiden, kann es geleeegentlich sein, dass wir in etwas Selbstmitleid verfallen. Du darst ruhig mal deine 5 Minuten haben, in denen du denkst, dass du die ärmste Sau der Welt bist, weil du im Juni bei 28 Grad in der Bude hockst und Deliktsrecht lernst. Du darfst auch mal jammern, dass Jura ungerecht ist und dass der Korrektor deiner Probeklausuren ein unbefriedigter, alter, unglücklicher Mann ist. Und du darfst auch mal denken, dass du alles hinschmeissen willst. Aber eben nur 5 Minuten lang. Dann MUSST dir jemand in den Hintern treten und dich wieder auf den Sattel setzen (oder bei uns Mädels: Die Krone zurecht rücken). Und wenn du so jemanden nicht in deinem Freundeskreis oder in deiner Familie hast, dann übernehme ich das jetzt hier. Im Bedarfsfall einfach wieder und wieder lesen. Oder Ausdrucken und über den Schreibtisch hängen. Oder auf den Hintern tättoowieren lassen (Ok. Mal wieder übertrieben *augenrollsmiley*). Bereit? Los gehts:

DU SCHAFFST DAS. Alles was du fühlst, alles was in deinem Kopf rumschwirrt und alles was versucht dich runterzuziehen, haben zigtausend andere Studenten auch gefühlt. Du bist nicht alleine. Wir haben das alle durchgemacht UND wir haben das alle geschafft. Natürlich sitzt man das nicht auf einer Arschbacke ab. Es ist hart. Es tut weh. Es kostet einen unfassbar viel Kraft. Aber du hast die Kraft. Du kannst das. Du bist bis hierher kommen, dann schaffst du auch den Rest. Vertrau mir und noch wichtiger: Vertrau dir. DU SCHAFFST DAS. Steh auf, Brust raus, Selbstmitleid einstellen und dann auf in den Kampf. Geh raus und zeigs allen. Du bist gut und du kannst das!

Und noch etwas, das meine Mama mir am Abend vor meiner ersten 1. Examensklausur gesagt hat und was mir total geholfen hat:

Am Ende des Tages ist das NUR EINE PRÜFUNG. Du hattest schon hunderte Prüfungen und es werden in deinem Leben noch hunderte solcher Prüfungen kommen. Die Welt wird sich weiter drehen. Heute, morgen und auch nach deinen Klausuren. Egal ob du nun bestehst oder nicht. Die Welt dreht sich sogar weiter, wenn du nicht hingehst. Reiß dich zusammen. Ich weiß es und tief in dir drin weißt du es auch. DU KANNST DAS! DU SCHAFFST DAS!

Ihr Lieben, dieser Blogpost war mir ein rießiges Anliegen und ich hoffe, dass er dem einen oder anderen von euch eine kleine Hilfe sein kann! Ich drücke euch alle Daumen der Welt für eure Examensvorbereitung und bin 100% sicher, dass ihr das schafft.

Alles Liebe,

Eure Luisa

26 Antworten auf „Wenn die Panik droht dich zu ersticken – DU SCHAFFST DAS!

    1. Danke für dein tolles Feedback trotz „fachfremdem“ Studium! Und: absolut HUT AB für deine wahnsinnige Leistung. Ich meine das total ernst: ich konnte kaum mich selbst ganz alleine über die Runden bringen – aber du schaffst das mit 2 Kindern. WOW!

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  1. Auf meiner „Vor-der-Prüfung-Playlist“ dürfen die Mamma Mia Songs nicht fehlen 😅 bei denen bekomm ich total gute Laune und vergess meine Prüfungsangst für einen Moment wenn ich im Auto laut mitsingen 😂

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  2. Ich schreibe zwar kein Examen, aber Abschlussprüfung meiner Lehre. (wenn auch die zweite, aber ich bin so aufgeregt wie bei der ersten.. wenn nicht sogar mehr, weil ich weiß wofür ich es mache)Das fühlt sich auch bescheiden schwer an. Deswegen hat mir dein Beitrag hier auch gerade sehr gut getan und ich komme gern immer wieder drauf zurück.
    Danke dafür!!!
    Soviel Motivation und genau auf den Punkt getroffen!
    und ich bekomme momentan tatsächlich gute Laune bei Justin Bieber „friends“ (obwohl ich den sonst immer doof fand😂)

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    1. Dafür nicht! Alles alles alles gute für die mündliche! Es kommt die nächsten Tage noch ein Beitrag ausschließlich für die mündliche – vielleicht hilft der die auch! Du schaffst das!

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  3. Vielen Dank für Deine tollen Worte. Die motivieren mich total! Studiere Jura mit 1 Kind (das sich anfühlt als hätte ich 5 🙃) und bin alleinerziehend. Leider bin ich dadurch oft am Ende meiner Kräfte aber Du schaffst es einem den Mut zurückzugeben.
    LG Marion

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    1. Marion – sehr sehr gerne! Und absolut HUT AB für das ganze mit Kind. Ernsthaft. Ich kann mir nicht mal vorstellen, was das an Kraft und Energie extra kostet! Ich drücke dich ganz fest und DU SCHAFFST DAS!

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  4. Bin zwar noch nicht beim Examen angelangt, aber mitten im Schwerpunkt und auch hier hab ich manchmal das Gefühl dass ich ja so eine arme Sau bin und nur mir das lernen manchmal schwer fällt 😀 es hilft einfach zu lesen, dass man nicht alleine ist (auch, wenn man es eigentlich natürlich weiß)
    Danke für deine tollen Blogeinträge 🙂

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  5. Luisa, du rettest mir gerade gefühlt mein Leben 😀 Bzw meine Examensvorbereitung. Ich schreibe im August und bin einfach nur froh, wenn es vorbei ist.
    DANKE ❤
    Feli

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  6. Mir fällt dazu wirklich nur ein Wort ein: AMEN!!
    Besser kann man es nicht zusammenfassen und ich wünschte echt, ich hätte diesen Text vor einem Jahr gehabt! Und ich hoffe (und glaube) so sehr, dass er extrem vielen Menschen extrem helfen wird. Das sieht man ja jetzt schon an den bisherigen Kommentaren. Du bist eben einfach die Beste ❤
    Und, nachdem es bei mir jetzt auch vorbei ist, kann ich auch aus meiner Erfahrung sagen, dass du mit ALLEM Recht hast. Insbesondere damit, dass es wahnsinnig wichtig ist, auch schöne Dinge zu machen und nicht auf alles zu verzichten. Es ist ja so schon schlimm genug, man dreht so schon oft genug durch – wenn man sich dann selbst die kleinen Pausen vom Alltag wegnimmt, schadet man sich definitiv mehr als dass es nützt. Ich hab so oft dran gezweifelt, ob es richtig ist, auch mal ein Wochenende wegzufahren, weiter im Chor zu singen etc. – und im Nachhinein betrachtet war es wahrscheinlich das Beste was ich machen konnte und hat mich davor bewahrt nicht noch mehr durchzudrehen. Und die Menschen um einen herum – die kann man gar nicht genug wertschätzen. Die, die sich immer wieder das Gejammer anhören aber dann auch den nötigen Arschtritt verpassen. Die einem immer und immer wieder sagen "Du schaffst das!" auch wenn man selbst nicht dran glaubt. So Menschen wie du – die sind wirklich Gold wert. Ich hab dich lieb :-*

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  7. Luisaaaaa, DANKE DIR. Du hast es perfekt auf den Punkt gebracht. Ich sitze gerade bei meiner Praktikumsstelle ( seit 7 Uhr) und wiederhole alte Zusammenfassungen in meiner Pause. Und gerade dachte ich mir: “ HÄ? Wie blöd bin ich eigentlich??!? Anstatt einfach meine Ferien zu genießen, mache ich ein Praktikum und dann lerne ich auch in meiner Pause?“ Da hab ich dann auch mein Handy zur Hand genommen und dein Beitrag gesehen. Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe Gott sei Dank meine Familie und Freunde die mich in jeder Klausurphase mehrmals aufbauen, aber den Spruch druck ich mir trotzdem mal aus. Vielleich nerve ich meine Mutter dann nicht mehr mit 50 Anrufen täglich wo ich weinerlich sage “ Das wars, ich hör auf“ 😀 . Und der Spruch von deiner Mutter, sowas sagt mir meine auch jedes Mal vor einer Klausur.

    Liebe Grüße

    Anna, Jurastudentin im 6. Semester

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  8. Liebe Luisa, Danke dafür! Genau das habe ich jetzt gebraucht. Und ich bin ganz ehrlich: ich habe kurz ein Tränchen verdrückt 😀 Aber es tut einfach so gut, sowas zu lesen, einfach weil man bei dir auch weiß, wie ernst du das meinst. Du bist eine ganz tolle, sympathische und liebenswerte Person und bringst mich soooo oft zum Lachen. Danke an der Stelle für die Annahme bei Instagram 🙂 Alles Liebe für dich, du Granate!

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  9. Boah ich hab gerade Tränen in den Augen. Aber das ist positiv gemeint. Du hast ja so so Recht. Jura ist gemein und raubt einem alle Kräfte aber es macht einen ja auch (irgendwie, irgendjemand) glücklich 😊 Danke für deine motivierenden Worte, dein Instagram und deine schonungslose Ehrlichkeit

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