Egal ob eine Vorstellung der Seminararbeit in der Uni, der Aktenvortrag im Staatsexamen oder eine Präsentation in der Arbeit anstehen – mündliche Vorträge begleiten uns so gut wie immer. Und obwohl beispielsweise ich eine wirklich große Klappe habe und man meinen könnte, dass mir das Sprechen vor anderen Menschen nach 15 Jahren Theaterspielen wirklich leicht fallen müsste, habe ich die Hosen vor solchen Vorträgen gestrichen voll. Wenn es euch auch so geht, oder ihr einfach nach ein paar Tipps sucht, wie man solche Vorträge verbessern kann, dann seid ihr hier genau richtig.

1. Aufschreiben, was du sagen willst

Eine Sache, die ich schon immer gemacht habe und die vielleicht auf den ersten Blick etwas unkonventionell scheint ist, dass ich einmal komplett ausformuliere und aufschreibe, was ich während des jeweiligen Vortrages sagen will. (Achtung: Das gilt in der Form nicht für den Aktenvortag für die mündliche Prüfung des Staatsexamens – die Zeit haben wir dort nämlich nicht 🙂 Damit versuche ich einerseits zu vermeiden, dass mir an einem Punkt die Worte fehlen werden und auf der anderen Seite sorgt für mich ein „auswendig lernen“ dessen, was ich sagen will, zunächst für Sicherheit. Es ist ein bisschen wie ein Textbuch für ein Theaterstück. Am Anfang lese ich den formulierten Text einmal laut vor und bei jedem weiteren Üben, wird der Fließtext immer mehr weggelegt. Am Ende der Vorbereitung sollte man sich einen kleinen Zettel anlegen, auf dem man nur noch die Satzglieder stehen, bei denen man öfter „hängt“ und nicht weiter weiß.

Tipp: Mir bringt es überhaupt nichts, mir für den tatsächlichen Vortrag lediglich Stichpunkte aufzuschreiben. Wenn ich ins Stocken gerate liegt es meist nicht daran, dass ich vergessen habe wie es weiter geht, sondern vielmehr daran, dass ich nicht weiß, wie ich in diesem Moment weiter formulieren soll. Daher habe ich tatsächlich auf meinem „Spickzettel“ ausformulierte Textbausteine stehen (Meist nur den Satzanfang!). Diese geben mir Sicherheit und lassen mich problemlos über Hänger hinwegkommen.

2. Erzähls der Katze und den Nachbarn

Die Devise insbesondere für längere Vorträge heißt: Üben Üben Üben. Und da bringt es meiner Erfahrung nach wenig, wenn man die Powerpoint am Laptop im Bett wieder und wieder durchgeht und sich im Kopf überlegt, was man sagen möchte. Man muss es laut aussprechen. Worte hören sich im Kopf ganz anders an als ausgesprochen. Die Dauer eines Vortrages, den man im Kopf durchgeht, unterscheidet sich elementar von einem Vortrag, den man tatsächlich spricht. Ich mache es zunächst so, dass ich den Vortrag einmal am Laptop an meinem Schreibtisch durchgehe und dann meistens mit meinem Spickzettel (siehe oben) durch die Wohnung oder (hier in Dubai) durch den Park gehe und den Vortrag zwei bis dreimal hintereinander einfach durchspreche. Wenn man sich dann einigermaßen sicher fühlt, kann man den Vortrag einmal vor der Familie oder Freunden oder Studienkollegen halten. Ich weiß, das nervt tierisch, kostet Zeit und fühlt sich einfach unangenehm an. Geht mir absolut genauso. Aber umso öfter man den Vortrag gehalten hat, umso sicherer wird man. Und ich finde zum Beispiel einen Vortrag vor meiner Family oder meinen Arbeitskollegen tausendmal „schlimmer“ weil ich viel mehr Angst habe mich zu blamieren, als vor den Menschen, vor denen ich den Vortrag am Ende tatsächlich halten muss. Das bedeutet in meinem Fall aber auch, dass nach dem Übungsvortrag vor meiner Chefin das Schlimmste schon geschafft ist :).

3. Die Theaterdevise: Langsam, Laut und Deutlich

Besonders als Zuhörer merkt man schnell, wie viel eine angenehme Sprechweise und ein entsprechendes Sprechtempo ausmacht. Ich neige beispielsweise dazu, viel zu schnell zu sprechen und in eine ganz andere Sprachweise zu verfallen, sobald ich an einem Punkt des Vortrags kurz hänge („Äh, ähm, ach Mist …“). Hier besser zu werden, kann man aber problemlos üben. Auch hierzu nehme ich meinen ausformulierten Text vom Anfang her und markiere mir Pausen im Text farbig. Ich muss mich vor allem am Anfang richtig zwingen, Sprechpausen zu machen und das fühlt sich am Anfang auch wirklich unnatürlich an. Aber glaubt mir, eure Zuhörer werden es euch danken. Die Sprechpausen kann man problemlos in dem Vortrag auch dort anwenden, wo man kurz den Faden verloren hat. Anstatt mit „Äh.. wo war ich jetzt“ zu überbrücken, kann man einfach drei Atemzüge nehmen und da man bereits vorher solche Sprechpausen gemacht hat, merkt kein Mensch, dass man gerade ins Stocken geraten ist. Man kann sich während dieser drei Atemzüge kurz sammeln und orientieren und vielleicht den Sprickzettel zur Hand nehmen um zum Text zurückzufinden.

Insbesondere während des Studiums ist mir aufgefallen, dass viele Vortragenden dazu neigen, viel zu leise zu sprechen. Das ist ein ganz natürliches Verhalten, gerade wenn man sich eigentlich gar nicht sicher ist, ob das was man da erzählt überhaupt richtig ist. Doch wir müssen uns hier im Klaren sein, dass wir hier nunmal vor ein paar Menschen vortragen. Und die hören uns auch, wenn wir leise sprechen, nur eben weniger gut. Vortragen müssen wir aber so oder so. Das  bedeutet im Umkehrschluss: Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit. Ihr tragt euer Thema vor, als hättet ihr es höchstpersönlich wissenschaftlich die letzten 10 Jahre erarbeitet. In dem Moment, in dem Ihr vor eurem „Publikum“ steht ist es egal, ob ihr an die Richtigkeit eures Vortrags glaubt oder nicht, denn jetzt wird das verkauft so gut es eben geht. Ihr seid nämlich jetzt Verkäufer eures Vortrages und gebt alles, damit am Ende alle „hier!“ schreien. Also: Laut und überzeugend sprechen!

4. Haltung, Gestik und Mimik

Zu allererst: Nicht gucken wie ein eingeschüchtertes Eichhörnchen! Wie wir eben festgestellt haben, verkaufen wir hier deinen Vortrag. Wir sind überzeugt und deswegen lächeln wir auch. Auch wenn wir schreiend davonlaufen wollen. LÄCHELN!

Für die richtige Haltung kommt es darauf an, ob du stehen oder sitzen wirst, während du deinen Vortrag hältst. Ich denke, in einer Vielzahl von Präsentationen und Vorträgen dürftest du stehen, während man beispielsweise beim Aktenvortrag sitzen muss.

Stehen: Stell dich gerade hin, Beine schulterbreit auseinander, sodass du einen sicheren Stand hast. Überlege dir, was du mit deinen Armen machen möchtest. Hast du in einer Hand beispielsweise einen Laserpointer, dann ist dieser Arm schon einmal „aufgeräumt“. Der andere Arm sollte nicht unbedingt in der Hosentasche stecken, sondern vielleicht einfach frei sein und die damit die Möglichkeit geben, frei zu gestikulieren. Achte darauf, dass du dich nicht zu viel bewegst, dass du nicht von einem auf das andere Bein „hüpfst“ oder herumtippelst. Versuche wirklich, so still wie möglich zu stehen und lass deine Sprache und deine Gestik für dich arbeiten. Keine Sorge, das kann man üben und da gewöhnt man sich total schnell daran.

Sitzen: Gerade aufsetzen, Beine nicht übereinander schlagen und die Arme beide auf dem Tisch, nicht verschränken. Versuche eine „offene“ Haltung einzunehmen um deinem gegenüber – in diesen Fällen meist deine Prüfer – Interesse und vor allem eine Offenheit für das Prüfungsgespräch entgegenzubringen. Versuche auch hier ruhig zu sitzen, nicht mit den Beinen zu wippen und nicht mit dem Kugelschreiber in deinen Händen zu spielen. Eine gute Körperhaltung ist total viel wert und täuscht nicht nur dem Prüfer, sondern dir selbst unterbewusst Sicherheit und Selbstvertrauen vor. Ich habe vor meiner mündlichen Prüfung dieses Video wieder und wieder angesehen und es hat mir wirklich total geholfen.

5. An das Gefühl danach denken

Das Gefühl nach einem abgeschlossenen Vortrag, einer Präsentation oder einem Aktenvortrag ist für mich einfach super. Ich fühle mich danach (meistens) wirklich toll und bin stolz auf mich. Dieses Gefühl könnt ihr euch schon während eurer Vorbereitung wieder und wieder vor Augen führen. So werdet ihr euch bald fühlen. Ihr könnt ganz bald richtig stolz auf euch sein. Ihr habt euch Vorbereitet, einen vielleicht wirklich schwieriges Thema aufgearbeitet und womöglich in einer anderen Sprache vorgesprochen. Ihr habt euch Gedanken darüber gemacht, wie ihr vortragen werdet, wie ihr euer Publikum von euch überzeugen könnt und geübt wie blöde. Jetzt könnt ihr wirklich wirklich stolz auf euch sein – auch wenn es vielleicht nur eine minikleine Präsentation war. Und mir zum Beispiel hilft es wirklich ungemein, mir dieses Gefühl immer dann, wenn ich ein bisschen die Hosen voll habe oder einfach keine Lust mehr habe, vor Augen zu führen und mich daran festzuhalten und hochzuziehen.

Ihr Lieben, ich hoffe für den ein oder anderen waren hier wertvolle Tipps dabei und ihr könnt euren nächsten Vortrag richtig rocken! Ich freue mich über euer Feedback!

Eure Luisa

 

 

2 Antworten auf „Wie dein mündlicher Vortrag ein Erfolg wird

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