Klausurenphase – So lernst du richtig!

500 € für vom Prof. vorgeschlagene Lehrbücher ausgeben, ist halb gelernt. In kaum einem anderen Studium ist diese These so wahr, wie im Jurastudium. Jetzt sitzt man dann aber – bestenfalls mit mehr als zwei Wochen Zeit zu den Prüfungen – vor einem riesigen Stapel seltsamer Bücher mit Text in Schriftgröße 2 und geschrieben von Menschen, die entweder schon tot sind oder jedefalls minimum das Alter von Albus Dumbledore haben. Schon für die erste Seite des Brox/ Walker, Wessels/ Beulke oder sonst irgendeinem viel zu dicken Schinken braucht man eine halbe Stunde und verstanden hat man eigentlich .. nichts. Wenn es dir in etwa so geht, dann ist dieser Beitrag genau das richtige für dich. Denn ich habe während des gesamten Studiums nicht ein einziges dieser „klassische Lehrbücher“ gelesen.

1. Eigenes Skript schreiben

Das A & O meiner Vorbereitung auf Klausuren, die Zwischenprüfung, sowie das 1. und 2. Staatsexamen war mein eigenes Skript. Mein heiliger Gral. Mein Ein und Alles. Ich habe versucht, den „Klausuraufbau“ eines Gutachtens in meinen eigenen Aufzeichnungen so gut wie möglich widerzuspiegeln. Dabei habe ich das Rad natürlich nicht neu erfunden, so sind alle Skripte von Hemmer (Alpmann oder andere kann ich nicht beurteilen, da ich selbst nur mit Hemmerskripten gearbeitet habe) aufgebaut. Heruntergebrochen habe ich also diese Skripte selbst noch einmal für mich zusammengefasst und aufgearbeitet. Dabei habe ich Probleme und Meinungsstreitigkeiten möglichst in gleichbleibenden Farben eingearbeitet und insbesondere auf Dinge geachtet, die ich selbst häufig falsch gemacht habe. Allerdings sollte das Skript auch wirklich nur so lange und ausführlich sein, wie ihr es nachher auch in einer Klausur schreiben würdet. Deshalb würde ich mich bezüglich des Umfangs immer an den bereits genannten Skripten orientieren und evtl. auch noch weiter kürzen. Für BGB AT sah mein Skript in etwa folgendermaßen aus:

GUTACHTEN

Fraglich ist, ob A ein Anspruch gegen B aus § … BGB zusteht.

A. Anspruch entstanden

Hierfür müsste der Anspruch zunächst entstanden sein. Fraglich ist demnach, ob ein Rechtsgeschäft im vorliegenden Fall zustande gekommen ist. Dies bedarf zwei übereinstimmenden Willenserklärungen, Angebot und Annahme.

1. Angebot

Ein Angebot liegt vor, wenn (…)

a) Abgabe (Definition, Probleme)

b) Zugang (Definition, Probleme)

c) Stellvertretung

d) Anfechtung

2.  Annahme

B. Anspruch erloschen (Widerruf, Rücktritt, Kündigung, …)

C. Anspruch durchsetzbar (Verjährung, …)

Ich weiß, ich weiß, das Schreiben eines solchen, v.a. derart ausführlichen Skriptes kostet unfassbar viel Zeit. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es jede einzelne Sekunde wert ist. Ich habe bereits sehr sehr früh im Studium angefangen, solche Skripte in allen Fächern zu schreiben, diese immer wieder aufgearbeitet, ergänzt oder neu geschrieben und bin daher nach dem Studium mit einem vollständigen Skript (soweit man das vollständig nennen kann) in die Examensvorbereitung gegangen.

Insgesamt habe ich dabei, wie gesagt, die Skripte von Hemmer benutzt und diese mit meinen eigenen Mitschriften aus Vorlesung, Übung oder Tutorium ergänzt. Natürlich waren da auch Themenbereiche dabei, die ich nicht verstanden habe und dann in Lehrüchern nachlesen musste. Allerdings waren das wirklich kleine Ausschnitte, die ich dann in der Bib in einem Lehrbuch nachgeschlagen oder – häufiger – gegoogelt oder bei beck-online.de recherchiert habe.

2. Karteikärtchen für Definitionen und Meinungsstreits

Definitionen, die nicht auf Anhieb in meinen Kopf wollten (also ALLE :)) habe ich aus meinem Skript dann außerdem auf Karteikärtchen geschrieben. Gleiches gilt für Meinungsstreits. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mich beim reinen Lesen von Unterlagen eher selbst bescheisse, a la „ja, ja, verstanden, ja, ja, kann ich“ aber wenn ich dann versucht habe, aus dem Stehgreif „öffentliche Sicherheit und Ordnung“ zu definieren, stand ich dann da mit meinem Talent .. und ohne Definition. Also ab mit diesen Dingen auf Karteikärtchen, die man problemlos Abends/ im Zug/ in der Werbung bei Schlag den Raab durcharbeiten kann. (Keine Sorge, falls ihr erstmal nur Berge an Karteikärtchen anhäuft und nicht zum lernen und wiederholen kommt. Ich habe die Karteikärtchen immer erst in der Woche oder den letzten beiden Wochen vor den Klausuren reingeprügelt.

Die Kärtchen habe ich außerdem nach dem jeweiligen Fach (also auch BGB AT, Schuldrecht, Sachenrecht, ..) sortiert. Das erleichert euch das Lernen für die bestimmte künftige Klausur und später auch das Wiederholen in der Examensvorbereitung. Falls das für euch so gut klappt, wie für mich, lasst euch nicht durch Mitstudenten, Profs und Repetitoren verunsichern. Insbesondere fürs 2. Examen hat man mir immer wieder gepredigt, dass Karteikärtchen für die Katz‘ und Verhalten von Erstsemestern seien, welches „erwachsene Referendare“ nicht mehr bräuchten. SO EIN UNFUG!

3. Ab auf den Platz und Fälle lösen

Ich zitiere an dieser Stelle gerne Torsten Kaiser aus den Kaiserseminaren fürs 2. Examen

„Ihr müsst raus auf den Platz und Staub fressen. Roger Federer ist nicht Tennisprofi geworden, indem er Bücher über Tennis gelesen hat.“

Genauso ist es. Von Skript und Karteikärtchen schreiben, alles in tollen Farben anmarkern und hübsche Schaubildchen malen, werdet ihr keine guten Klausuren schreiben. Nach Schritt 1 und 2 heißt es jetzt also üben, üben, üben. Ich hatte damals an der Uni Bayreuth das Glück, dass wir in den Übungen und Tutorien jede Menge Fälle besprochen haben und ich diese dann zuhause nochmal alleine durchlösen konnte. Für die ersten 4 Semester habe ich für die Klausurvorbereitung daher tatsächlich nichts anderes genutzt, als die Unterlagen aus der Uni. Dass das natürlich nicht an allen Universitäten so ist, wurde mir spätestens als ich nach Regensburg gewechselt bin, klar.

Solltet ihr an eurer Uni nicht ausreichend mit Fällen versorgt werden, habt ihr weitreichende Möglichkeiten an Übungsstoff zu kommen. Gerne könnt ihr erst einmal anfangen kleine Übungsfälle zu lösen. Auch hier gibt es natürlich jede Menge, sei es von den oben genannten halbtoten Professoren, den Repetitoren oder sonst irgendwelchen Fallsammlungen. Schaut euch einfach mal in der Bib um, was euch zusagt. Ich finde die Fallbücher von Hemmer beziehen sich zu stark auf das Skript, sodass man sich fast ein wenig einseitig „im Hemmeruniversum“ vorbereitet. Ich mochte auch die Fälle nicht besonders. Für den Anfang oder für Themenbereiche, die ihr sehr schwer findet oder einfach nicht mögt, kann ich absolut die Bücher von Schwabe „Lernen mit Fällen“ empfehlen. Die Fälle sind kurz, einprägsam und für jeden verständlich erklärt (Achtung: nicht den Strebern und high society Jurastudenten erzählen, dass ihr diese Bücher nutzt. Sie gelten auch als „Jura für Dummies“ – ist aber egal, wenn ihr dann die zweistelligen Noten abräumt und nicht der Streber!). Achtung: Die Fälle sind von euch zu lösen OHNE dass ihr euch vorher die Lösungsskizze anschaut. Auch reicht NUR das Lösungsskizze machen nicht aus. Ihr müsst üben zu formulieren. Obersätze, Definitionen und Subsumtionen müssen euch aus dem Kulli fließen, als hättet ihr nie etwas anderes gemacht. Natürlich ist das am Anfang schwer. Wer um alles in der Welt redet denn auch so? 🙂

Sobald ihr euch einigermaßen sicher fühlt, geht es ab an die „Klausurfälle“. Oft bieten Universitäten Klausurenkurse an oder ihr könnt in eurer Fachschaft mal fragen, ob es irgendwo alte Abschlussklausuren gibt. An diese Klausuren setzt ihr euch dann, stellt euch die Uhr auf 2, 3 oder 5 Stunden (Achtung: keine freie Wahl, es gilt die Zeit, die ihr dann auch in der Klausur habt!), legt Handy, MacBook, iWatch und iPad weg und unterbrecht euren Netflixmarathon, denn jetzt wird der Kampfmodus angeschaltet. Und ja, Übungsklausuren schreiben ist scheiße, nervig und doof. Das ist in der Klausurvorbereitung so und bleibt auch in der Exmansvorbeitung doof. Aber es hilft. Nur so werdet ihr besser. Lernt zu formulieren, zu diskutieren und euch vor allem an die Zeit zu halten. Lernt mit unbekannten Problemen umzugehen und euch auch mal durch die ganz ekeligen Themen zu kämpfen. Denn ich verspreche euch: wenn ihr euch hier durchkämpft und am Ball bleibt, dann kann euch keine einzige Klausur wirklich schocken.

img_6104Übrigens: Fehler, die ich in Übungsklausuren gemacht habe, sind direkt auf einen extra Zettel und später auf Karteikärtchen gewandert. So verhindert ihr, dass ihr ein und denselben Fehler nochmal macht!

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig helfen und euch vor allem Mut machen, für die bevorstehenden Klausurenphasen. Und jetzt Kopf hoch und raus auf den Platz, ich will euch kämpfen sehen!

Eure Luisa

12 Kommentare zu „Klausurenphase – So lernst du richtig!

  1. Hättest du das nicht vor 2 Jahren als ich angefangen habe, schon schreiben können ? 😅
    Jetzt ist die zwischenprüfung durch und ich kann deine Lerntechnik nicht mehr richtig ausprobieren.
    Aber ich finde es super endlich mal zu hören wie andere Lernen, weil das wird leider häufig nur verschleiert erzählt, damit man nicht davon profitieren kann 🙄

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    1. Da gebe ich dir absolut Recht, liebe Sophia! Ich hatte das unfassbare Glück, dass bei mir quasi der „erste Versuch zu lernen“ direkt richtig gut geklappt hat. Für die Examensvorbereitung kannst du die Tipps übrigens trotzdem noch probieren. Im Rep kommt eh SO VIEL NEUES dazu! 😊

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  2. Super toller Beitrag – super toller Blog! Du motivierst mich sehr und gibst mir Mut, denn ab nächstes Jahr April geht es los mit dem Rep. Für viele noch eine Ewigkeit entfernt und mir kommt es so vor als würde es morgen losgehen 😅
    Ich schreibe auch immer meine eigenen Skripte, aber leider viel zu ausführlich… allerdings muss ich die Dinge irgendwie aufschreiben um sie wenigstens ein bisschen zu behalten. Deine Methode hört sich richtig gut an – das hätte ich vielleicht auch mal so machen sollen 🤦🏼‍♀️ Naja- der Drops ist ja noch nicht gelutscht. Vielen Dank für diesen Beitrag ♥️

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    1. Liebe Fiona, tausend dank für dein Lob! Guck dir einfach von mir ab, was du gebrauchen kannst! Und kürzen wirst du die Skripte automatisch im rep, wenn du siehst, was wirklich wichtig ist 😁 ganz viel Erfolg!

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  3. Liebe Luisa,

    erstmal Gratulation zu diesem grandiosen Blog! Ich verfolge jeden Post begeistert und daher ist es eigentlich komisch, dass ich gerade unter einem Lernpost dann meinen Senf abgeben will. 😀

    Auch wenn du dich natürlich, was liegt schon näher, an Jurastudenten richtest, finde ich in deinem Vorgehen mich genauso wieder, obwohl ich kein Jura studiere. (Vielleicht kannst du bei solchen und zukünftigeren Posts, in ein zwei Sätzen noch an die Nicht-Juristen wenden)
    Es kommt natürlich drauf an, was für ein Lerntyp ist, ob nun auditiv oder visuell oder eine Mischung aus beidem, aber im Grunde ist es doch immer das gleiche Vorgehen:
    Zusammenfassungen schreiben, Karteikarten anlegen (bzw. Zusammenfassungen von den Zusammenfassungen) und üben, üben, …
    Ich finde vor allem für das visuelle Lernen, Farben ganz wichtig. Ich streiche mir z.B. Überschriften in der gleichen Farbe, und alle Unterüberschriften in einer anderen Farbe an und so weiter und so fort. So kann man schon mit Zusammenfassungen sehr gut abschnittsweise lernen.

    Bei Hausarbeiten gehe ich fast ähnlich vor. (Weiß gar nicht, ob das für euch Juristen auch wichtig ist.) Ich suche mir die entsprechende Literatur, schreibe mir daraus Notizen, und tippe von diesen Notizen nochmal die wichtigsten in eine Word-Datei (gleich mit Quellenbeleg). Und dann sortiere ich einfach die Notizen nach meinen Kapiteln und schreibe dann in der eigentlichen Hausarbeit-Datei einfach den Text runter und lösche genutzte Notizen heraus, um den Überblick zu behalten. Viele haben mir da immer gesagt, dass mein Vorgehen ja unglaublich umständlich ist und doch viel zu lange dauert. Gleichzeitig waren dann immer alle verblüfft das ich an einem Tag gerne mal 10 Seiten schreiben konnte. Ich bin nun im Masterstudium und gehe immer noch genauso vor. Ich empfinde es einfach so viel angenehmer, als ständig von Buch zu Buch zu schauen und niemals meinen Schreibfluss zu finden.

    Aber wie du schon schriebst, am Ende muss man seine Taktik finden und sich von der einfach niemals abbringen lassen, egal ob andere das Vorgehen scheiße finden oder sich drüber lustig machen weil sie ganz anders lernen. Am Ende wird schließlich bei der Notenvergabe abgerechnet!

    Liebe Grüße
    Franzi

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    1. Hi Franzi!
      Vielen Dank für das Aufschreiben, wie du am besten Hausarbeiten schreibst! Ich denke deine Methode werde ich bald ausprobieren, denn du hast recht – es ist echt schwierig immer aus seinem Schreibfluss rausgerissen zu werden. Also vielen Dank für den Tipp, ich werde das auf jeden Fall auch ausprobieren und ich vermute, dass das bei mir auch gut funktionieren wird. 🙂

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  4. Danke für diesen Beitrag! Bei mir fängt im Oktober das dritte Semester an und ich hatte bis jetzt auch immer Probleme damit, die richtige Lerntechnik zu finden.. Jetzt bin ich top motiviert, deine Tipps mal auszuprobieren 😁
    Liebe Grüße ❤️

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  5. Ich verstehe nicht ganz wie da dein Skript genau aussieht.
    Ok, du machst „eigene“ ausführliche Aufbauschemata, aber wie sieht der Rest aus?
    Gehe ich korrekt davon aus, dass das Aufbauschema am Anfang steht und auf den folgenden Seiten ausführlichere Infos, Definitionen usw. oder wie sieht das aus?

    Vielleicht kannst du ja mal ein paar Bilder von einem deiner Skripte hochladen (perfekt wäre vielleicht von einem ganzen Kapitel deines Skripts oä), um zu zeigen wie du das genau meinst, bzw. wie ein „Luisa Skript“ denn so aussieht.

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    1. Hallo! Das ausführliche aufbauschemata ist bereits das Skript. Ich baue also unter der jeweiligen Überschrift alle Definitionen und Probleme ein. Aber nicht in Lehrbuchlänge, sondern in genau der Länge, in der ich es auch in einer Klausur unterbringen würde. Verstehst du was ich meine? Aktuell lebe ich Dubai und da meine Unterlagen handgeschrieben in Ordnern sind ist ein Hochladen ehr schwierig. Ich hoffe das beantwortet erstmal deine Frage! Falls nicht: frag gerne weiter.

      Viele Grüße
      Luisa

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