Tipps für Jura-Erstis

Das Abi in der Tasche ziehst du los, um an der Uni deiner Wahl mit dem Jurastudium zu beginnen. Erst einmal: Herzlichen Glückwunsch! Das ist eine absolut tolle Wahl. Nicht so cool wie Sport und nicht so sinnvoll wie Medizin, auch nicht so spannend wie Wirtschaftsingenieurwesen, nicht so beliebt wie BWL oder „irgendwas mit Medien“. Aber wenigstens sagt dir der Prof. in der ersten Vorlesung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass sowieso nur maximal 30% der anwesenden Studenten bis zum Staatsexamen durchhalten und davon dann nur etwa 15% die „türöffnende“ Note vollbefriedigend erreichen werden. Und wenn du dann noch ehemalige Studenten fragst, ob sie empfehlen könnten, Jura zu studieren, wirst du dich vermutlich das erste Mal fragen, ob es nicht doch lieber Grundschullehramt sein soll. Ob ich ganz persönlich das Jurastudium empfehlen kann, liest du gerne hier.

Aber, bevor du jetzt anfängst Mandalas auszumalen, den Text von A Ram Sam Sam auswendig zu lernen oder generell schreiend davonrennst, will ich lieber versuchen dir einige Tipps für deine ersten Semester mit auf den Weg zu geben. Denn, egal wie sehr wir alle während des Studiums und der Examensvorbereitung gelitten haben, ist doch eines klar: Kaum ein Studiengang ist so breit gefächert, so interessant, so herausfordernd und hält uns am Ende so viele Türen offen, wie das Studium der Rechtswissenschaften. Und wenn man von Beginn an einige Tipps befolgt und einen guten Weg rein findet, dann stehen die Chancen meiner Meinung nach auch wirklich gut, dass man nicht komplett verrückt wird. Das wichtigste zuerst: Lasst euch nicht verrückt machen. Jeder einzelne Ersti kocht nur mit Wasser. Egal ob Mama und Papa auch Anwälte sind, den Dekan persönlich kennen oder man eben von Jura eigentlich noch überhaupt keine Ahnung und Vorstellung hat (so wie das bei mir war btw.) – alle starten von derselben Stelle, alle haben die gleichen Karten und alle spielen das gleiche Spiel. Auch wenn viele reden wie die ganz Großen und einen auf dicke Hose machen. Glaub mir, abgerechnet wird immer zum Schluss!

Skripe vor Lehrbücher

Jeder einzelne Professor ist der Meinung, dass sein Lehrbuch die Bibel der Juristerei sei und man das Studium überhaupt nur bestehen könne, wenn man das Lehrbuch nicht nur liest, sondern mindestens auch kauft, es auswendig lernt und unters Kopfkissen legt. Ist meiner Meinung nach völliger Unfug – zumindest für dein Studium. Ich habe nie ein ganzes Lehrbuch gelesen, auf der anderen Seite aber dank Prof. Jäger (Strafrechtsgott!) bis zum Repetitorium tatsächlich gedacht, dass Roxin die herrschende Meinung ist. LOL.

Mein Rezept für Übersicht und Struktur vom ersten bis zum letzten Tag waren eigene Skripte. Beginnend mit den Aufzeichnungen aus den Vorlesungen und Übungen habe ich versucht, den erlernten Stoff so, wie er später im Gutachten geprüft wird, aufzuarbeiten. Leiht euch dazu auch Skripte von kommerziellen Anbietern aus, schaut sie durch und arbeitet relevantes in eure eigenen Skripte ein. Nimm dir zu Beginn ruhig mehrere Skripte verschiedener Anbieter und prüfe, was dir mehr zusagt. Bei Themengebieten, die inhaltlich wichtiger sind (Stichwort z.B. Vollmachtsthematik) kannst du dir jederzeit ein Lehrbuch zur Hand nehmen und nacharbeiten, auffüllen und ergänzen. An dieser Stelle geht es natürlich noch nicht um Vollständigkeit, sondern lediglich darum, einen ersten Überblick zu verschaffen und den Aufbau einer gutachterlichen Prüfung kennenzulernen. Tiefer ins Detail im Hinblick auf Skripte gehe ich übrigens in diesem Artikel.

Noch ein letztes: Du musst nicht jedes Semester 500 € für Bücher und Skripte ausgeben. Ich habe das komplette Grundstudium mit gebrauchten Büchern, die teilweise schon 5 Jahre alt waren gearbeitet. Ansonsten leih dir die Bücher aus oder kopiere dir Seiten heraus. Du lernst nicht besser/ mehr/ einfacher, wenn du all die Bücher kaufst, die der Prof. empfiehlt oder die deine Kommilitonen kaufen.

Definitionen auf Karteikarten

Je früher man damit anfängt, desto besser. Schreibe dir so viele Karteikärtchen wie möglich mit Definitionen. Sind Definitionen im Gesetz direkt zu finden, schreibe auch das auf deine Karteikarten, also §§ … . Niemand muss Definitionen, die das Gesetz selbst bereitstellt, auswendig lernen, im Gegenteil, spätestens bei der mündlichen Prüfung punktet man mit dem Verweis aufs Gesetz!

Schreibe Karteikärtchen selbst, dann kannst du dich auch besser erinnern. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass ich teilweise in Klausuren oder mündlichen Prüfungen noch wussten, in welcher Farbe ich die Antwort auf die gestellte Frage auf meine Karteikarte geschrieben hatte.

Ordne die Karteikarten nicht nur nach Zivil-, Straf- und Öff-Recht, sondern auch nach den konkreten Gebieten (Bsp.: BGB AT, Strafrecht AT, etc.). Das macht später das Wiederholen von speziellen Gebieten einfacher.

Fokussiere dich auf das Wichtige

Nicht notwendige Zusatzqualifikationen? Unnötig. Glaub mir, du wirst alle deine Energie für das Notwendige brauchen. Rechtsphilosophie/ Rechtsgeschichte und ähnliches in den ersten Semestern? Maximal eine Woche (eher weniger!) dafür auswendig lernen und ab damit. Brauchst du NIE wieder, versprochen!

Fokussiere dich außerdem von Beginn an auf dich selbst. Gerade in den ersten Semestern wirst du merken: Jeder andere weiß mehr, lernt mehr, gibt mehr Geld für Lehrbücher aus, versteht mehr und schreibt bessere Noten. Übe bereits hier, dich von deinen Kommilitonen in dieser Hinsicht abzukapseln. Alles was zählt bist du. Du alleine! Und du machst das genau richtig. Die hier genannten Tipps mit eigenem Skript und Karteikarten hast du probiert und fühlen sich nicht richtig an oder sind nicht dein Ding? Absolut normal und super für dich, das herausgefunden zu haben. Jeder geht seinen eigenen Weg und nur weil das für mich geklappt hat, ist das nicht DAS Geheimrezept.

Stay calm

Das ist jetzt sicher leichter gesagt , als getan, aber: Stay calm! Wir reden hier von den ersten Semestern. Geh raus, genieße dein Studentenleben, geh feiern, fahr in den Urlaub, lass es krachen. Das Leben wird spätestens mit der Examensvorbereitung hart genug und du wirst ohnehin dort erst erfahren, was du im Grund- und Hauptstudium alles nicht gelernt hast. Genieße deine Zeit und schmuggel dich ruhig auch mal einen Tag vor der ersten Probeklausur auf die SpöKo-Taufe (die Kolleg*innen der Uni Bayreuth wissen Bescheid). Kann dann zwar sein, dass du in deiner allerersten Strafrechtsklausur alle 15 Minuten eine kurze „Atempause“ nehmen musst, weil der Saal sich dreht, aber glaub mir, das ist es immer wert.

Ich wünsche dir nur das Beste!

Luisa

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