Hometown Glory

Vor über 10 Jahren bin ich aus meiner Heimatstadt weggezogen. Seit über 10 Jahren lebe ich in verschiedenen (größeren) Städten. In diesen mehr als 10 Jahren habe ich in anderen Ländern und mit den unterschiedlichsten Kulturen gelebt. Freunde und Lebenspartner kennen- und lieben gelernt. Aber keine Stadt dieser Welt kann meiner Heimatstadt das Wasser reichen. Nicht, weil Schweinfurt so wunderschön ist (haha, nicht). Sondern aufgrund der Menschen, die dort leben. Menschen, die mich mein ganzes Leben lang kennen. In jeder Lebenssituation. Weit bevor ich hier oder auf Instagram geschrieben habe. Weit bevor ich Rechtsanwältin wurde, ach, weit bevor ich auf die glorreiche Idee kam, Jura zu studieren. Menschen, die die purste Version von mir kennen. Meine Homebase. The wonders of my world.

‚Round my hometown

Memories are fresh

‚Round my hometown

Ooh the people I’ve met

Are the wonders of my world

Are the wonders of my world

Are the wonders of this world

Are the wonders of now

Adele – Hometown glory

Um ganz ehrlich zu sein, habe ich nie gedacht, dass ich so einen Text mal schreiben würde, oder überhaupt jemals so über meine „Hometown“ denken könnte. Als Teenager oder junger Erwachsener, können viele nicht schnell genug aus der Heimat verschwinden. Neues erleben, neue Leute kennenlernen und sich selbst neu erfinden. Nicht so erfreuliche Geschichten vergessen, einen gewissen Ruf ablegen oder einfach einen Neuanfang wagen. Ohne die ganze Vergangenheit.

Ich will gar nicht zu tief ins Detail gehen. Dass die Jurastudentin Luisa eine andere Person war, als die junge Erwachsene Luzi, die jedes Wochenende in der Gastro gearbeitet hat, spontan mal nach einer Party nach Paris zum Frühstücken gefahren ist oder an Fasching 5 Tage wach war, erklärt sich irgendwie von selbst. Was ich aber über die letzten Jahre erkennen durfte, ist, dass die Luzi immer ein Teil von mir bleibt. Dass die Gastro immer ein Teil von mir bleibt. Dass die Stadt und die Leute immer ein Teil von mir bleiben. Dass all das nicht mit meinem Wegzug ein Kapitel meiner Vergangenheit geworden ist, sondern immer ein Teil von mir sein wird.

Ich bin in den letzten 10 Jahren in den verschiedensten Lebensphasen in meine Heimat zurückgekehrt. Ich war Gast und Urlauber, ich war nach dem ersten Examen für ein viertel Jahr in Schweinfurt, bevor ich nach Hamburg gezogen bin und nach dem zweiten Examen für einige Wochen, bevor es dann nach Dubai ging. Ich habe hier auf meine Noten gewartet und Angst gehabt, statt mit Examen nur mit Abi und Führerschein dazustehen. Ich war Single, unglücklich verliebt, vergeben oder frisch getrennt. Und gerade eben, während ich diesen Text schreibe, sitze ich wieder hier, in meiner „Hometown“, nachdem das Abenteuer Dubai zu Ende gegangen ist. Ich würd ja auch ein Lied singen, so wie Adele, aber wie die meisten von euch wissen, Singen gehört zu den wenigen Talenten, die an mir vorübergegangen sind.

In all den verschiedenen Lebenssituationen, extremen, krassen, unglücklichen, glücklichen, verändernden, aufregenden, erfolgreichen, scheiternden – einfach allen, wusste ich – lange Zeit eher unbewusst, mittlerweile sehr bewusst – dass Schweinfurt immer meine Homebase sein wird. Egal, was passiert ist, hierher kannst du immer zurück. Hier sind immer Menschen, die dich kennen und lieben, für die Person, die du bist und nicht für deinen Beruf, deine Erfolge, dein Privatleben. Egal wie lange du weg warst. Egal was in den letzten Jahren bei dir passiert ist. Ich will das jetzt nicht überromantisieren. Natürlich weiß jeder, wie es in so einer Kleinstadt aussieht, wenn sich irgendwas im Leben einer Person verändert und man für eine Zeit oder dauerhaft in die Hometown zurückkehrt. Gossip Girl lässt grüßen und eine gute kleine Lästerei hat noch niemandem geschadet (wer hier ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Ich bins nicht :).

Am Ende des Tages zählt aber das Gefühl, dass du hast, wenn du an deine „Hometown“ denkst. An die Leute, die deine Heimat ausmachen. An all die durchgefeierten Nächte, die Tränen, die du vor Lachen vergossen hast, die stundenlangen Gespräche, bei denen jeder Satz mit „weißt du noch, damals…“ beginnt und ein ehrliches „Ich freue mich so, dich zu sehen.“ Damals und heute. Danke, ihr verrückten Menschen. The wonders of my world. My hometown glory.

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