Gutes dubaisches Handwerk – Die Zeckenpest

Bevor ich zu unserer dritten und aktuellen Wohnung komme, muss ich noch ein Versprechen einlösen und von der bis dato der Welt völlig unbekannten dafür aber nicht weniger gefährlichen dubaischen Zeckenpest 2018 erzählen.

Ich habe damals in einer Villa-Wohngemeinschaft gewohnt, in der eine Mitbewohnerin zwei Hunde hatte (Kurzer Rant: Die Mitbewohnerin pendelte zwischen Dubai und Deutschland, musste aber unbedingt einen Windhund haben (die sind ja bekanntlich klein, pflegeleicht und brauchen keinen Auslauf) Als Sie merkte, dass Sie gar keine Zeit für den Hund hatte, hat sie sich nicht etwa beschlossen, ihn wegzugeben oder eine Hundenanny anzuheuern, neeeeein, als ich eines Tages von der Arbeit kam, hatte sie noch einen zweiten Hund gekauft, damit der erste nicht so alleine ist. Klingt doch logisch oder?)

Im Sommer war besagte Mitbewohnerin dann in Deutschland und ich ebenfalls in Urlaub, sodass ein weiterer Mitbewohner auf die Hunde Acht gab. Als ich zurück in unser Zuhause kam, schien auch erstmal alles wie immer. Die Hunde begrüßten mich Mitten in der Nacht freudig und wir kuschelten ein bisschen, bis ich ins Bett huschte, da ich am darauffolgenden Tag früh ins Büro musste.

Nach der Arbeit war ich dann mit den Hunden im Garten, als mir beim Streicheln ein kleiner Holzbock über die Hand krabbelte. „Alles halb so wild,“ denke ich, und will kurz prüfen, ob die Hunde vielleicht festgesaugte Tierchen an sich haben, die ich dann schnell entfernen würde. Beim Streichen durch das Fell entdecke ich mehr und mehr der kleinen Viecher. „Das hab‘ ich ja auch noch nicht gesehen,“ denke ich mir noch, als ich nach Drinnen gehe, um einen Kamm oder etwas ähnliches für die Hunde zu holen.

Zurück im Wohnzimmer trifft mich fast der Schlag. Am Boden sehe ich ebenfalls kleine Zecken krabbeln. Und an der Wand. Ist das überhaupt möglich? Sind Zecken nicht eigentlich nur am Wirt, also am Tier? Mir läuft es eiskalt den Rücken runter als ich darüber nachdenke, dass die Hunde sicher in meiner Abwesenheit in meinem Bett gepennt hatten. Ich haste die Treppen nach oben und hoffe, dass ich gleich aus diesem Albtraum erwache. Schon im Flur finde ich an den Wänden und in den Fliesenfugen überall kleine Tierchen. Ich fange an Fotos zu machen und sowohl an die Mitbewohnerin als auch an alle Hundehalter, die ich kenne, zu schicken. Die Antworten reichten von „Ach, das ist doch nicht wild“ über „Das können definitiv keine Zecken sein, die vermehren sich nicht ohne Wirt“ zu „Ach du scheisse, sowas habe ich noch nie gesehen!“

Auch in meinem Zimmer konnte ich ÜBERALL die kleinen Mistkäfer finden. Mein Mitbewohner und ich versuchten zu Beginn noch, die Teile mit einem Miniflammenwerfer zu bekämpfen, aber es waren einfach zu Viele. Sie waren überall. Ich schnappte mir meinen Autoschlüssel und genau einen frischen Schlüppi, sprang in mein Auto und suchte Asyl bei meiner Praktikantin. Dass ich mit ihr das Bett teilen und vorher meinen Körper mit ihr zusammen nach Zeckenbissen absuchen musste, muss ich wohl nicht dazu sagen oder? (Professionell kann ich!)

Meine einzige Hoffnung war am nächsten Tag die Pest-Control, das sind die Kammerjäger in Dubai. Mit denen macht man hier eigentlich regelmäßig Bekanntschaft, die kümmern sich um alles was so kreucht und pfleucht, von Kakerlaken über Ameisen bis hin zu Fliegen und wenn man in eine neue Wohnung zieht, ruft man die gerne auch mal präventiv. Jedenfalls hatte ich dann zwei netter Herren im Haus, die Hunde währenddessen schon beim Tierarzt und ich versuchte in meinem damals noch ehr mittelmäßigen Englisch zu erklären, was passiert war. Um genau zu sein, versuchte ich den Herren zu vermitteln, dass sie mir bitte eine plausible Erklärung liefern müssen und diese Erklärung beinhalten müsse, dass es sich NICHT um Zecken handelte. (Hatte ich ja nicht in der Nacht noch Spätfolgen von Zeckenbissen gegoogelt, mir selbst – ohne erkennbaren Biss – eine Hirnhautentzündung diagnostiziert und mein Testament geschrieben).

Lange Rede kurzer Sinn, nach etwa 5 Minuten kommt einer der beiden Herren vom ersten Stock zurück in die Küche, einen Vorhang aus dem Flur in der Hand und etwas blass um die Nase. „Komisch“ denke ich noch, „war der Vorhang nicht eigentlich hellgrau?“ bis ich erkenne, dass der Vorhang über und über mit schwarzen kleinen Tierchen bedeckt war. „Madam,“ sagte der Herr „we have never seen something like that before.“

Und ihr wisst es genauso gut wie ich: Wenn dein Hautarzt bei einer Pilzinfektion, deine Hebamme bei der Geburt oder eben der Kammerjäger sowas zu dir sagt, dann RENN. Und das habe ich dann auch gemacht. Und nach einem Krankenhausaufenthalt, zwei großen Blutbildern zur Kontrolle und zwei Wochen wohnhaft im Kinderzimmer der Tochter meines damaligen Volleyballtrainers, beendete ich offiziell meine Karriere als Mitbewohnerin und suchte mir meine erste eigene Wohnung in Dubai. Da hatten wir dann zwar einen Riesen-Grashüpfer als Haustier, aber das ist eine andere Geschichte.

Eure Luisa

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