Gutes dubai’sches Handwerk – Servus Waschbecken

Machmal fühlst man sich hier wirklich wie im Film. Und damit meine ich nicht, dass man sich fühlt wie bei Mission Impossible, weil der siebenhundertvierundzwanzigste Teil irgendwie in Dubai gedreht wurde. Ne, in Wirklichkeit fühlt man sich sehr oft wie bei „Verstehen Sie Spaß?“ oder „Versteckte Kamera“.

Folgender Sachverhalt hat sich exakt so zugetragen und egal wie oft ich davon erzähle, kann ich’s eigentlich immer noch nicht glauben. Eines Morgens sehe ich die Instagram Story von Jan Leyk, der sich tierisch über die Baumängel in seiner Wohnung in der Hafencity in Hamburg aufregt. „Lächerlich“ denke ich, „soll man bei uns in Dubai hinter die Kühlschränke gucken. Da laufen einem sofort die Tränen runter.“ Wenig später zeigt Jan in einem Snap sein Waschbecken in der Küche, welches nach unten durchgebrochen war. Einfach so. Ich muss sagen, dass ich doch ein wenig über diesen Baupfusch in Deutschland beeindruckt war. Hab‘ auch direkt einen Screenshot gemacht und meinem Bruder, seines Zeichens selbst vom Fach, mit den Worten geschickt, dass sowas ja eigentlich nur in Dubai passieren würde.

Zwei Wochen später sitze ich im Esszimmer und schreibe an meiner Doktorarbeit, als ich ein komisches Geräusch höre. Ein leichtes Plätschern. Nicht das Plätschern, wenn die Toilette durchläuft oder so. Ein irgendwie unzuordenbares leichtes Plätschern. Und es kommt aus der Küche. Ich überlege ernsthaft, ob ich überhaupt aufstehen und nachsehen soll.

Die Woche vorher hatte ich nämlich bereits ein „Land unter Wasser“ Erlebnis. War kurz davor bei Noah anzurufen, wegen der Arche. Da bin ich nur so mir nichts, dir nichts ins Erdgeschoss gefahren (Wohnung im zwölften Stock), um ein bisschen Putzmittelgedöns zu kaufen. Hatte schon angefangen zu putzen, hab‘ aber dann gemerkt, dass mir noch ein bisschen Zeugs fehlt. Als ich auf dem Rückweg am Aufzug stehe, höre ich zwar ein ungewöhnliches Rauschen, denke mir aber erstmal noch nichts dabei.

Ich drücke den Knopf nach oben und warte mit 2 anderen Leuten, dass der Aufzug im EG ankommt. Der Aufzug kommt an, die Türen gehen auf. Im Inneren des Aufzugs regnet es. Sturzbach-artig. Herbst-in-Hamburg-artig. Harry-Potter-im-Zauberministerium-artig. Wir drei Menschen stehen da, starren das Spektakel an, es macht BING und die Aufzugtüren gehen wieder zu. Niemand bewegt sich. Eine vierte Person kommt, drückt den Knopf nach oben, die Geschichte wiederholt sich. Niemand kann etwas sagen, im Hintergrund hört man weiterhin das Rauschen des Regens.

Plötzlich schleicht sich bei mir ein leicht panisches Gefühl ein. „Habe ich vorhin den Wasserhahn zugedreht?“ Als hätte ich schon jemals in meinem Leben einen Wasserhahn nicht zugedreht. „Kann es nicht vielleicht sein, dass du das Wasser laufen gelassen hast und das jetzt den Regen im Aufzug verursacht hat?“ Ist das technisch überhaupt möglich? Mit einem überlaufenden Waschbecken den ganzen (beziehungsweise 6(!!) Aufzüge unter Wasser zu setzen? Es ist egal, wie logisch man auf das Unterbewusstsein reagieren kann. Wenn die Panik einmal da ist, bist du dir sicher, was geschehen ist. Ich habe das Wasser angelassen, das Wasser ist durch die Wohnung zum Aufzug gelaufen und dort ist es komplett eskaliert. Die werden rausfinden, dass ich das war und weil wegen Dummheit zahlt da keine Versicherung. Mein Freund verlässt mich wegen Dummheit und ich werde einsam und verarmt sterben.

Leute, in meinem ganzen Leben bin ich noch nie so schnell 12 Stockwerke Treppenhaus nach oben gesprintet. Auf Ebene 6 wäre ich beinahe gestorben, weil ich mich verschluckt und kein Mü Sauerstoff mehr hatte. Aber ich musste wissen, ob ich tatsächlich dem Tode geweiht war. Mit letzter Kraft schmeisse ich mich aus dem Treppenhaus auf Ebene 12 vor meine Wohnungstür auf den Boden. Der Boden war trocken. Es war nicht meine Schuld. Ich werde nicht arm und einsam sterben.

Nach dieser Story hatte ich – verständlicherweise – ernsthaft Zweifel, ob ich noch wissen wollen würde, was in der Küche vor sich geht und warum dort Wasserplätschern zu hören war. Aber ich bin ja auch nur eine Frau und von Natur aus auch ein bisschen neugierig. Lange Rede, ganz kurzer Sinn: Ich stand quasi in Jan Leyks Küche in der Hafen City. Das Waschbecken war einfach nach unten durchgebrochen. Vermutlich war es mit dem bisschen Silikon, dass man zum kleben verwendet hatte (OMG, ich werde hier 3723779 Beiträge über Silikon schreiben. Das ist einfach mein No. 1 Baumaterial seit ich hier bin. Silikon ist Liebe. Silikon ist Leben. Ich werds euch erzählen :)), nicht dafür gedacht, dass man das Waschbecken tatsächlich benutzt – im Sinne von – Geschirr reinstellen und ähnliches.

So, wir müssen zum Ende kommen, der Text ist schon wieder viel zu lang. Bitte seht nachfolgend die Fachreparatur des höchstqualifizierten Fachmitarbeiters des Monats. „Des passt so, Madam, in Zukunft einfach nix mehr reinstellen in das Waschbecken!“

In diesem Sinne grüßt euch aus Dubai

Eure Luisa

Königreich Prinzessin Wüstenresidenz

1 Comment Hinterlasse einen Kommentar

  1. Die Story ist echt wie aus nem Film 😂 Ich lach heute noch, und gleichzeitig willst dir nur ans Hirn langen…
    Aber mal ehrlich – was stellst du auch Sachen ins Waschbecken?! 🤔😂 Die sind doch bestimmt nur Deko, wie bei Ikea… 😉

    Gefällt 1 Person

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