Gutes dubai’sches Handwerk – Fliesenkleber und die Salatschüssel

Hier gibt es – eigentlich ähnlich wie in Deutschland – verschiedenste Fachkräfte. Den Elektriker, den Klimaanlagentechniker, den Fließenleger oder den Maler. Ein kleiner Unterschied zu dem, was wir aus Deutschland kennen, ist, dass alle diese Tätigkeiten hier in Dubai meist von ein und derselben Person ausgeführt werden. Echte Alleskönner möchte man meinen.

Ihr ahnt vielleicht, dass es an dieser Stelle nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder wir haben hier maximalqualifizierte Handwerker, die quasi einen Masterabschluss in Hausmeisterwissenschaften (Maintenance Management oder sowas) haben, ODER – und das mag der ein oder andere schon aus so manchen Erzählungen der letzten drei Jahre erinnern – an der Geschichte ist irgendwas faul. Ich will aber jetzt nicht hier oben schon rumspoilern. Also gehen wir mit Jonathan Frakes der Frage nach: Ist das wirklich so geschehen oder war die Geschichte nur frei erfunden?

Alles beginnt im Jahr 2018, als ich, nachdem ich nach einer Zeckenpest in der WG in der ich ursprünglich wohnte (das sollte eigentlich auch noch einen eigenen Eintrag bekommen, wenn ich jetzt so darüber nachdenke. Die Story würd mir nicht mal Jonathan Frakes glauben), die Beine in die Hand genommen und mir eine eigene Bude gesucht habe. Beim ersten checken der Wohnung habe ich gesehen, dass die Decke der Gästetoilette so gelbliche Spuren von Feuchtigkeit zeigte.

„Freilich, Madam, da kümmern wir uns drum“, hat damals der Makler gesagt habt (also nicht wörtlich „freilich“, weil wegen Englisch und so, aber ihr wisst, wie ich’s meine). Als ich dann eingezogen bin habe ich schnell ins Bad reingeguckt, sah auch ganz gut aus – BIS DANN so etwa 48 Stunden später wieder alles absolut beim Alten war. An dieser Stelle habe ich gelernt, dass man feuchte Stellen an der Decke NICHT damit beseitigt, dass man mit weißer Farbe darüber pinselt. Again what learned! Also ich, nicht der Handwerker. Und jetzt kommt gleich noch ein Punkt, den ich mitgenommen habe: Wenn man sich über einen Fachkrafthandwerker beschwert und dessen Firma dann sagt, „Kein Thema, Madam, wir schicken jemand anderen“ dann ist das der dubaianische Geheimcode für: NICHT IN DIESEM LEBEN. Deutlicher nur zu erkennen, wenn das Wort Inshallah fällt. Das ist arabisch und heißt etwa „So Gott will“. Und in Fällen von handwerklicher Mangelarbeit will Gott halt eben nicht.

Die erste Wohnung hat noch einige weitere wunderbare Überraschungen mit sich gebracht. Dass der Vorhang sich an der 6m hohen Decke Haken für Haken, jeweils begleitet mit einem lauten Knall verabschiedete und wir etwa drei Monate mit Vorhang auf Halbmast und strahlendem Sonnenschein um 5.15 Uhr wohnen durften, scheint ja fast nicht erwähnenswert.

Ich will euch aber nicht vorenthalten, dass natürlich immer „morgen, Madam“ jemand kommen wollte, um das ganze zu reparieren. Es kam auch wer, etwa in Woche 3, guckte sich das Desaster an und wollte nur kurz wieder los, um eine Leiter zu holen. Nie wieder gesehen den Kerl, bin aber sicher, er ist glücklich, dort wo er ist, mit all den Männern, die nur kurz Zigaretten holen gegangen sind. Nach viel Rabautz bei unserem Makler (die sind meist vom Vermieter zwischengeschaltet und deswegen die Ansprechpartner), kam dann etwa 3 Wochen nochmal wieder einer, auch ohne Leiter, auch der wieder weg. Der kam dann wohl nochmal wieder, mit Leiter, die ging dann überraschenderweise aber nur bis 4 Meter. Kann ja auch keiner ahnen, dass eine 4 Meter Leiter nicht 6 Meter hoch ist.

Als irgendwann dann der verflixte Vorhang wieder hing, passierte eine Geschichte, die wirklich reif für „X Faktor – das Unfassbare“ ist. Ich versprech’s! Anschnallen Leute, es geht los.

Ich liege im Bett, als ich ein unzuortbares Geräusch höre. Ein Knartzen irgendwie, ein Knacken, irgendetwas bewegt sich. Ich will ja nicht sagen, dass ich erstmal in ultimative Panik ausgebrochen bin, war ich in diesem Moment schließlich alleine zuhause, allerdings hörte man jetzt keine Schritte oder so und ich hab vorsichtshalber auch „Hallo, ist da wer?“ gefragt und bekanntlich melden sich die Mörder ja dann darauf immer. War nicht so, also wagte ich mich die Treppen runter. Und was ich da sah, löste bei mir zum ersten Mal ein Gefühl aus, das ich liebevoll als „Dubai-Craziness“ bezeichnen würde. Du weisst nicht so richtig, ob das gerade wirklich passiert oder du träumst und vor allem auch nicht, ob du heulen oder lachen sollst. Die Fliesen unseres Esszimmers hatten sich erdrutschmäßig zueinander verschoben, sich wie ein Vulkan nach oben angehoben und schließlich ein rießen Loch im Boden hinterlassen. Einfach so. Absolut grundlos und ohne Vorwarnung. Ich kann das vermutlich gar nicht richtig beschreiben, also seht euch das selbst an:

Und zuletzt, um auf die Einleitung diese (schon wieder viel zu langen Textes) zurückzukommen, noch das Schmankerl, wie genau das topausgebildete Handwerkerteam unseres hervorragenden Maklers diesen kleinen Zwischenfall wieder in den Griff bekommen hat.

Der Typ, der zum Zigaretten holen gegangen war, hat den Vorhangfacharbeiter von vorhin und noch einen Helfer mitgebracht, um gemeinschaftlich zur Tat zu schreiten. Ich habe die Herren morgens reingelassen und bin dann zur Arbeit gefahren. Großer Fehler, mag man meinen, war auch so, wie ihr gleich anhand der Bilder sehen werdet, die ich in meiner Mittagspause gemacht habe, als ich mal nach dem Rechten sehen wollte. Bitte seht selbst:

Der Zigarettenmann ist offensichtlich der Supervisor, der steht nämlich nur rum und gibt den Ton an. Neben ihm sehr ihr den Vorhangmann, der gerade Fiesenkleber anmischt. Nicht dass man vielleicht hätte überlegen sollen, ob man die Fließen nach dem Desaster generell mal neu verleg, ach woher denn, einmal mit Fliesenkleber drüber wird sicher auch gehen. Oder wie man bei uns sagt „Silikon macht das schon.“

Aber zurück zum Thema. Für das Anmischen des Fliesenklebers hatte man jetzt auf die schnelle kein Behältnis mit, aber glücklichweise hat man in meiner Abwesenheit eine passende Schüssel gefunden. Gut, dass das jetzt meine einzige Salatschüssel war, tut ja nix zur Sache. Seinen Zweck hat das Ganze jedenfalls erfüllt. Dass man leider auch vergessen hat, vielleicht Möbel abzudecken, bevor man so am Boden rumbohrt, muss ich euch jetzt nicht extra erzählen.

Getoppt wurde das ganze nur davon, dass den Fliesenfachmitarbeitern wohl eine Fließe kaputt gegangen war. Wäre aber alles nicht so wild, versicherte man mir, denn man habe eine neue besorgt, die fast, also quasi beinahe, also wirklich 1:vielleicht 0,98 genauso aussehe, wie die übrigen Fliesen. Und tatsächlich, der Unterschied ist mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen.

Wenn ihr jetzt denkt, wir hatten nur mit dieser einen Wohnung etwas Unglück – weit gefehlt. Wir sind gerade zum dritten Mal umgezogen und ich hab‘ euch bücherweise zu erzählen. Aber erst „Morgen, Madam“!

Eure Luisa

Prinzessin Uncategorized Wüstenresidenz

11 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich bin echt froh, dass du zurück bist! Ich weiß gar nicht, ob ich dir die Daumen drücken soll für die nächsten Arbeiten, denn ich hoffe auch auf weitere Stories 😉

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  2. Das klingt wirklich spektakulär – fast griechisch (die können das nämlich genauso gut, sehr zum Leidwesen für deutsche Nerven 😂 „siga siga“ heißt in etwa soviel wie „kumm I heit net, dann wenn’st Glück hast noch im selben Jahr“ )
    Aber was soll ich sagen…ich wohne hier seit 4 Jahren in einer Wohnung in der der Putz von der Wand fällt, die Badfugen regelmäßig „nachdunkeln“ wenn das Chlorspray nachlässt 🤢 und der Siphon im Bad nur noch Deko ist… Ach, und hab ich erwähnt dass die Wohnung in Deutschland ist? 🤔
    Freu mich schon drauf was du als nächstes berichtest 😘

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  3. Solche Geschichten gibt es sicherlich überall auf der Welt, denn Handwerker scheinen aus dem gleichen Holz geschnitzt zu sein!
    Selten und dabei überaus amüsant ist Deine Art, davon zu berichten! Ein Hochgenuss, das zu lesen!

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  4. Ok, mich hat’s beim Lesen echt gepackt!!! 😀 😀 😀 man, ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
    Aber ey, da fällts mir grad wieder ein! VERGISS die Story mit dem Zeckenbefall NICHT!!!! 😀 😀 😀

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