HOW TO: Wahlstation im Ausland

1. Mach dir klar, was du willst

Auch wenn der Bibliotheks- und Referendariatsbuschfunk immer dahin geht, dass es viel zu wenig Stellen im Ausland gibt und man überhaupt suuuuper schwer irgendetwas findet und außerdem ohne Vitamin B gar nichts geht, könnt ihr beruhigt sein. Es gibt JEDE MENGE Stellen für Referendare im Ausland. Die erste Frage muss also erstmal heißen: Was willst du? Deine Möglichkeiten sehen – stark vereinfacht – folgendermaßen aus:

  1. Auslandshandelskammer
  2. Auswärtiges Amt/ Konsulat/ Botschaft
  3. Anwaltskanzlei
  4. Unternehmen
  5. Internationale Organisationen (UNO, UNCITRAL, WTO oder Stiftungen)

Meine ursprüngliche Idee war eigentlich, in der Wahlstation Jura, Ausland undimg_3911 Journalismus zu vereinen. Und was soll ich sagen? Ich habe vom Axel Springer Verlag die freundlichste Absage meines ganzen Lebens erhalten (keine Ironie, das war wirklich eine sehr nette Absage und ich kann das bewerten, denn ich habe im Rahmen der Wahlstationsbewerbungen mehr als genug bekommen :). Alles in allem habe ich relativ schnell gemerkt, dass meine gewünschte Kombi eher eine Station darstellt, die  noch erfunden werden muss. Also weiter im Text: Ich habe mich dann erstmal bei den Internationalen Organisationen und dem Auswärtigen Amt beworben. Wie das gelaufen ist, könnt ihr HIER lesen. Am Ende blieb mir also nur noch eine Möglichkeit: Bewerbungsspam. Ich habe ca. 150 Bewerbungen an alle Möglichen Stellen im Ausland geschrieben, insbesondere auch an alle möglichen Kanzleien. Adressen von Kanzleien, die Wahlstationen im Ausland anbieten, findet ihr unter anderem hier (Anwaltsblatt).oder hier (Jurawelt). Du kannst dir dort Kanzleien zu dem jeweiligen Land ansehen, in das du gerne würdest (oder wie ich, nur die aus der Liste werfen, die du nicht willst) und dir via Google die Kanzlei und deren Webseite genauer ansehen.

2. Die Bewerbungsunterlagen

Nachdem du dir die Kanzleien herausgesucht hast, bei denen du dich bewerben willst, geht es an die Bewerbung selbst. Das ist dein Aushängeschild, die muss passen! Das sind zum Beispiel die Bestandteile meiner Bewerbung:

  1. Anschreiben
  2. Lebenslauf
  3. Zeugnisse (1. Staatsexamen, Zwischenprüfung, Hochschulreife)
  4. Zeugnisse der bereits absolvierten Praktika und Stationen
  5. (ggf.) Motivationsschreiben

Auf dein Anschreiben solltest du besonderes Augenmerk legen. Das ist das erste, was der Personaler von dir liest, gib hier richtig Gas! Beziehe dich dabei unbedingt auf die bestimmte Kanzlei, nichts ist schlimmer als ein copy/paste Anschreiben. Bei mir sah das in etwa so aus:


Bewerbung für eine Wahlstation des Referendariates

Sehr geehrter Damen und Herren,

Einleitung: Ihre Internetpräsenz sowie Erfahrungsberichte früherer Referendare haben mein Interesse an einer Wahlstation bei __________ geweckt. Nach meinen Online Recherchen konnte ich in Erfahrung bringen, dass die Möglichkeit besteht bei Ihnen die Wahlstation zu absolvieren und Ihre Kanzlei dabei besser kennenzulernen.

Was habe ich bisher gemacht und was interessiert mich an der Kanzlei, bei der ich mich bewerbe?                Nach meinen bisherigen verschiedenen Stationen im Inland und den weitreichenden Erfahrungen in großen Wirtschaftskanzleien, dort insbesondere im Arbeitsrecht, freue ich mich sehr darauf meine Erfahrungen bei Ihnen zu erweitern. Neben Arbeitsrecht würde mich auch eine Tätigkeit im Bereich _____________ interessieren. (Weitere Bezugnahme auf die bestimmte Kanzlei!) Die Herausforderung eine solche Tätigkeit im Ausland zu absolvieren, meine Sprachkenntnisse zu vertiefen und neuen Aufgaben zu begegnen, nehme ich gerne an.

Schlusswort: Ich will bereits jetzt einen Schritt in mein künftiges Berufsleben machen, und hoffe diesen Schritt bei Ihnen gehen zu können. Über eine baldige Antwort freue ich mich sehr.

Ich habe mir im Vorfeld meine Unterlagen außerdem ins Englische übersetzen lassen. Häufig sind die Personaler, die deine Bewerbung bekommen, nämlich nicht deutschsprachig! Lass das ruhig von einem Nativespeaker machen, es sei denn, du sprichst (im Gegensatz zu mir) so gut Englisch, dass du dir das selbst zutraust :).

3. Die Bewerbung

Zu aller erst: Du musst jetzt nicht losgehen und dir für 5,4 Mio. Euro Bewerbungsmappenimg_1747 kaufen und bereits ausrechnen, ob dein BaFÖG für die Portokosten nach Neuseeland ausreicht. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert und bewerben uns dementsprechend per Mail :). Da ich ebenfalls mit den oben genannten Adresslisten gearbeitet habe, meist aber auf den Kanzleihomepages kein aktuelles Stellenangebot zu finden ist, musste ich zunächst herausfinden, ob die betroffene Kanzlei überhaupt eine Stelle für mich frei hat. Ich habe also erstmal eine Email ohne angehängte Bewerbungsunterlagen an die Kanzleien geschrieben. Diese Email sah in etwa so aus:


Sehr geehrter Damen und Herren,

mein Name ist Luisa Rödemer, ich bin 26 Jahre alt und Referendarin in Hamburg. Ich werde im Juni diesen Jahres mein zweites Staatsexamen ablegen und würde sehr gerne meine Wahlstation bei _____________ absolvieren. Durch weitreichende Recherchen im Internet konnte ich in Erfahrung bringen, wie begeistert Referendare gewesen sind, die bisher bei Ihnen ausgebildet wurden.

Gerne würde ich wissen, ob für den Zeitraum ____________ noch eine freie Stelle zur Verfügung steht. Sodann sende ich Ihnen sehr gerne meine Bewerbungsunterlagen zu.

Auf eine positive Antwort freue ich mich sehr.

Mit freundlichen Grüßen

Und jetzt: Abwarten, Tee trinken und Postfach regelmäßig aktualisieren!

4. Tipps und Tricks

  • Achtung: Nicht jede Kanzlei bzw. Behörde zahlt gleich ‚viel‘ oder überhaupt etwas. Du musst dich voher unbedingt um die Finanzierung kümmern. Ich habe bespielsweise das komplette letzte Jahr Geld für Dubai zur Seite gelegt!
  • Der einfachste Weg in eine Kanzlei im Ausland zu kommen ist, die Anwaltsstation bei eben dieser Kanzlei in Deutschland zu absolvieren und dann einen Auslandsplatz auszudealen.
  • Fange früh genug an zu suchen und dich zu bewerben. Man sagt, dass man in etwa ein Jahr vor der Wahlstation mit den Bewerbungen beginnen sollte.
  • Schreibe so viele Bewerbungen wie du kannst. Ich habe von unfassbar vielen Kanzleien oder Unternehmen überhaupt keine Rückmeldung oder dann eben eine Absage bekommen.
  • Bewirb dich auch für die „Nicht-Klassiker“. Nach New York, London und Barcelona wollen alle. Ich habe mich zum Beispiel neben Dubai unter anderem auch im Libanon beworben.
  • Nur keine Panik, wenn es länger dauert, bis du etwas findest. Ich habe ca. 30 Absagen bekommen und meinen Platz erst im Januar diesen Jahres gefunden (wenn du es genau lesen willst: hier)
  • MACHT ES! Ich bin SO glücklich, hier zu sein und diese Erfahrung machen zu dürfen.

Falls ihr noch irgendwelche Fragen zu diesem Thema habt, haut die gerne hier unten in die Kommentare! Ich hoffe ich konnte euch ein wenig weiterhelfen!

Eure Luisa

5 Kommentare zu „HOW TO: Wahlstation im Ausland

  1. Natürlich nicht. In diesem Beitrag geht es ja auch um das „wie ich an eine Wahlstation im Ausland rankomme“, oder siehst du das anders. Gerne empfehle ich dir hier die übrigen Beiträge zu meiner eigenen Wahlstation in Dubai mit persönlichen Hintergründen und insbesondere meinen eigenen Englischkenntnissen. Ich hoffe die weiteren Beiträge werden deinen Ansprüchen gerecht.

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  2. Hallo Luisa, ich finde deine Beiträge zur Wahlstation im Ausland und in Dubai wirklich toll und motivierend! Ich stehe auch gerade vor dieser Entscheidung und möchte ebenfalls ins Ausland. Da ich allerdings auch mit dem englisch so meine Probleme habe, wäre es klasse, wenn du von den deutschen Beispielen für E-Mail und Bewerbung eine englische Version einstellen könntest? Es ist schon super, dass du Formulierungsbeispiele auf deutsch einstellst, aber da ich keinen Muttersprachler kenne und sowas niemals im Fachenglisch formulieren könnte (mein englisch beschränkt sich ebenfalls nur auf Serien schauen), würde mich interessieren, wie du es letztendlich formuliert hast.
    Viele Grüße, Stefanie

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