Wahlstation in Dubai

Oder „Du weißt aber schon, dass es in Dubai im Sommer über 50 Grad hat oder?“

Nein. Das weiß ich natürlich nicht. Denn ich habe kein iPhone und dieses nicht vorhandene iPhone hat auch keine WetterApp. Hätte ich das gewusst, wäre ich natürlich niemals hier hergekommen .. und hätte womöglich die Zeit meines Lebens verpasst. So fühlt es sich zumindest im Moment an. Auch wenn es fast unaushaltbar heiß ist. „Aber warum bist du denn dann mittem im Sommer nach Dubai?“ Ehrliche Antwort? Mir blieb erst einmal nichts anderes übrig.

Dass ich zu meiner Wahlstation ins Ausland will, war von Anfang an klar. Ich bin nämlich keine „Lisa, 20, nach dem Abi ein Jahr ‚work and travel‘ in Australien“, habe die größte Auslandserfahrung meines Studiums in der Oberpfalz gemacht und auch niemals einen Boyfriend in den USA gehabt. Um es kurz zu sagen: Das „Englisch fließend in Wort und Schrift“ in meinem Lebenslauf basiert auf den Serien Gossip Girl und Grey’s Anatomy, die ich aufgrund der ätzenden Synchronstimmen auf englisch gucke. Damit überzeuge ich allerdings nur die wenigsten Personaler, weshalb also klar war, dass ich dringendst ins Ausland muss.

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Gesagt, getan oder besser gesagt, beworben. Zuerst mal bei den verschiedenen Auslandshandelskammern und dem Auswärtigen Amt. Das ist schließlich bei den Kanzleien immer gern gesehen und man verdient auch nicht so schlecht. Als ich allerdings den Bewerbungsbogen des Auswärtigen Amtes in der Hand hielt, musste ich schon erstmal schlucken. Auf einer DinA4 Seite sollte man seine bisherigen Auslandserfahrungen eintragen. Auch via Google konnte ich in Erfahrung bringen, dass das Auswärtige Amt eigentlich nur Referendare einstellt, die schon einen Haufen Auslandserfahrung haben. Na gut, dachte ich, ich probiers einfach, mehr als ‚Nein‘ sagen können die ja nicht. Umso überraschter war ich, als ich zwei Wochen später, im Juni 2016, eine Zusage bekam. Allerdings noch ohne Zuweisungsort. Der Ort war für mich aber ohnehin erst einmal zweitrangig, denn ich wollte einfach ins Ausland und Erfahrungen sammeln. Was war ich stolz, einen der begehrten Plaetze beim Auswärtigen Amt bekommen zu haben. BÄÄM von wegen man braucht Auslandserfahrung. Ich habe das auch so hinbekommen. YEAH!

Ab Anfang Januar 2017 wartete ich jeden Tag auf den Brief vom Auswärtigen Amt, in dem dann stehen sollte, in welchem Land in eingesetzt werde. Was habe ich mir tolles ausgemalt. Arbeiten in New York, Singapur oder Bangkok. Und was war ich aus dem Häuschen, als eeeeendlich der Brief in meinem Briefkasten lag. Ein bisschen so, als käme der Brief aus Hogwarts. (Aber nur ein bisschen. Für Hogwarts hätte ich das Auswärtige Amt nämlich sowas von links liegen lassen .. aber das ist eine andere Geschichte.) Ich öffnete also super nervös und voller Vorfreude den Brief  und …

…las folgendes: „Sehr geehrte Frau R., leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass alle unsere Plätze beim Auswärtigen Amt für die Zeit Juli – September 2017 bereits vergeben sind. Viel Erfolg für Ihre berufliche Zukunft wünscht Ihnen …“. Mir wurde ganz schwarz vor Augen und richtig schlecht. Ich konnte die Zeilen gar nicht richtig verstehen. Kein Platz? Aber ich hatte doch im Juni eine Zusage bekommen? Was bitte war hier passiert? Das konnte doch alles nicht wahr sein. Und wäre das nicht schon schlimm genug, wurde mir auch schlagartig klar, dass ich jetzt ganz sicher keine neue Station im Ausland finden würde. Denn Wahlstationsplätze im Ausland – ziemlich egal wo im Ausland – sind heiß begehrt und werden minimum ein Jahr im voraus vergeben. Das wars. Mein Englisch wird sich für immer auf „You know you love me, xoxo Gossip Girl“ beschränken. WOW, das waren wirklich rosige Aussichten!

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Nach einer Woche Selbstmitleid und heulen und allem Drum und Dran habe ich dann beschlossen, dass ich so leicht nicht aufgeben will. Ich WILL das. Du doofes Auswärtiges Amt kannst gleich mal sehen, zu was ich in der Lage bin. Also habe ich gegoogelt.  Und Bewerbungen geschrieben. Und Absagen bekommen. Mein Gott habe ich viele Absagen bekommen. In meinem ganzen Leben zuvor habe ich noch NIE so viele Absagen bekommen. Eine psychische Katastrophe in der Examensvorbereitung, soviel kann ich euch verraten.

Und dann, eines schönen Tages, als ich selbst nicht mehr dran geglaubt habe, habe ich eine E-Mail von Rödl & Partner bekommen. Mit der Ankündigung eines Telefon-Vorstellungsgesprächs. Von Hamburg nach Dubai. ICH WAR SO AUFGEREGT. Und richtig arg nervös. Tja .. und dann war der Tag endlich da. Es tutete und tutete und ich bin beinahe gestorben, als sich meine Chefin mit den Worten „Frau R. WIR BRAUCHEN SIE UNBEDINGT. U N B E D I N G T!“ meldete. Noch am selben Tag habe ich meinen Arbeitsvertrag unterschrieben und wäre vor Glück fast explodiert. Heute habe ich schon drei Wochen meiner Station hinter mir, freue mich jeden Tag wie Bolle auf die Arbeit und kann ich nur sagen: Danke liebes Auswärtige Amt für die Möglichkeit, in Dubai die Zeit meines Lebens zu haben.

Und was lernen wir heute daraus, ihr Lieben? Niemals aufgeben. Alles kommt genau, wie es soll.

Eure Luisa

12 Kommentare zu „Wahlstation in Dubai

  1. Ist aber auch ne krasse Nummer vom Auswärtigen Amt. Zusage ist doch eigentlich Zusage oder?
    Finde es toll, dass du dich dort so wohl fühlst und wünsche dir noch eine tolle Zeit!

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  2. Ja das Kreuz mit der Wahlstation, mir hat das Bundesjustizministerium einfach nie geantwortet….nach 6 Monaten habe ich mir dann woanders was gesucht und bin aktuell glücklich und voller Arbeit im BAMF eingesetzt.
    Jetzt brauche ich nur noch die große Karriere in einer Behörde :).
    Viel Spaß auf jeden Fall in Dubai!

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  3. Hallo Luisa, interessanter Bericht. Allerdings zwei kleine Anmerkungen (der Artikel soll ja über Wahlstationen im allgemeinen informieren…):

    „Zuerst mal bei den verschiedenen Auslandshandelskammern und dem Auswärtigen Amt. Das ist schließlich bei den Kanzleien immer gern gesehen und man verdient auch nicht so schlecht.“
    –> Das AA zahlt eigentlich nichts für die Station (außer evtl. Kosten für das Visum).

    „Umso überraschter war ich, als ich zwei Wochen später, im Juni 2016, eine Zusage bekam. Allerdings noch ohne Zuweisungsort.“
    –> Dieses Schreiben, das du nach Eingang deiner Bewerbung erhalten hast, müsste auch folgenden Satz vorsehen: „Bitte beachten Sie, dass dieses Schreiben noch keine definitive Zusage beinhaltet.“ Es weist eigentlich nur darauf hin, dass man grundsätzlich die Bewerbungsvoraussetzungen erfüllt. Eine definitive Zu- oder Absage kommt erst 6 Monate vor Beginn der Station.

    Schade, dass es nicht geklappt hat! Aber Dubai ist wirklich eine tolle Alternative! Alles Gute!

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    1. Liebe Eve, vielen Dank für deine Anmerkungen! Ich werde das nachher in den Post einbringen! Für mich hat das Schreiben damals durchaus den Eindruck einer Zusage erweckt – Weswegen ich mich dann auch nicht weiter beworben habe. Kann natürlich gut sein, dass ich das in meiner Euphorie überlesen bzw. nicht wahrhaben wollte 😉 Vielen dank für deine Nachricht und deine Wünsche! 😊

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  4. Prinzessin Luisa ;), dieser Blogeintrag motiviert mich sooo! Danke Danke Danke. Und Danke dass du dein Leben teilst, egal ob es Höhen oder Tiefen sind. Da gehört wirklich einiges dazu und da kann man wirklich mal sagen- Respeeeeeekt! Wünsche dir noch eine wundervolle Zeit in Dubai und freue mich auf deine nächsten Blogeinträge 🙂 Ganz viele liebe Grüße, Caro 🙂

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  5. „Mein Englisch wird sich für immer auf „You know you love me, xoxo Gossip Girl“ beschränken“… Wie hat sich dein Englisch verbessert? Wie hast du bei deinem Arbeitgeber deine Englisch-Kenntnissen verkauft? Habe Angst, dass es im Vorfeld schon daran scheitern könnte. Wobei ich gerade deswegen ins Ausland möchte 😦 Vielen lieben Dank für eine Antwort!! Xoxo Kathi

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