Mein Weg zum ersten Staatsexamen oder besser „Juhu, ich habe überlebt!“

Eins sei vorab gesagt: Es wird nicht einfach, aber jeder (!) kann es schaffen! Das wichtigste ist: Niemals aufgeben und immer genügend Eis/ Schokolade/ Gummibärchen im Haus haben :).

Ich habe nach dem 6. Semester mit der Examensvorbereitung begonnen, war ein Jahr bei Hemmer im Repetitorium, habe dann noch knapp 6 Monate ‚alleine’ gelernt und nach dem 9. Semester mein erstes Staatsexamen geschrieben.

Das Repetitorium: Die Qual der Wahl

Man kommt aus dem Hauptstudium (meist nach dem 6. Semester), ist bestenfalls schon scheinfrei – aber absolut kein muss – und denkt sich, dass man ja jetzt eigentlich allen Stoff für das Staatsexamen einmal in Vorlesungen gehört haben müsste. Und dann sitzt man im Repetitorium und es wird schnell klar: WEIT GEFEHLT. Man beginnt quasi wieder bei Tag Null, lernt unglaublich viel neuen Stoff („Schon mal was von Drittschadensliquidation gehört?“ „Drittschadens-WER?“) und schreibt seine ersten fünfstündigen Klausuren.

Genau aus diesen Gründen ist es so unglaublich wichtig, das richtige Repetitorium für sich selbst zu finden. Und da gibt es wirklich viele und leider kein Patentrezept. An meiner Uni in Regensburg konnte man sich (nur) zwischen Unirep, Alpmann Schmitt und Hemmer entscheiden. Absolut empfehlenswert ist es, sich einfach jedes Repetitorium einmal zur Probe anzuhören. Dafür empfehle ich euch nicht nur in die Vorstellungsveranstaltungen zu gehen, sondern einfach einmal eine ganz normale Stunde eines Kurses zu besuchen. Nur so könnt ihr euch ansehen, wie das Rep aufgebaut ist, wie der Kurs seine Fälle bearbeitet und wie der Repetitor so drauf ist.

Kommerzielle Repetitorien haben den Nachteil, dass sie sehr teuer sind. Dafür sind sie nicht wie eine Vorlesung mit Frontalunterricht aufgebaut. Vielmehr geht der Repetitor gemeinsam mit den Studenten Fälle durch, stellt Fragen und arbeitet interaktiv.

IMG_3690

Der Lernplan: Die Schatzkarte zum Erfolg

 Der Lernplan ist das große Geheimnis jedes erfolgreichen Studenten. Ich verrate ihn euch heute trotzdem. In Wahrheit ist das nämlich gar kein Hexenwerk, man braucht keine 5 Bücher dafür lesen oder eine besondere Veranstaltung besuchen. Denn ein weiterer riesen Vorteil des kommerziellen Repetitoriums ist, dass den Studenten automatisch ein Lernplan für ein ganzes Jahr vorgegeben wird.

Man hat in der Regel zweimal in der Woche Unterricht. Einen Tag die Woche braucht man, um sich auf die Fälle des Repetitoriums vorzubereiten und einen Tag, um die Fälle nachzuarbeiten, seine Zusammenfassungen zu schreiben und die Themenbereiche in Skripten oder Lehrbücher nachzulesen. Apropos Lehrbücher: Jedes einzelne, das ich gekauft habe, hätte ich mir sparen können. Lasst euch nichts aufschwatzen und kauft nur, was euch wirklich zusagt. Ich konnte immer am besten mit Skripten lernen und habe auch die komplette Examensvorbereitung (nur) mit Skripten gearbeitet.

Je nachdem ob man fünf oder sechs Tage die Woche lernen möchte, hat man jetzt noch einen oder zwei Tage um eine Klausur zu schreiben, eine Lerngruppe zu machen oder das an den anderen Tagen nicht geschaffte aufzuarbeiten. 

Die Lerngruppe: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Ich habe mich für einen Sechstagesplan entschieden. An Tag Fünf der Woche habe ich morgens noch weiter an meinen eigenen Zusammenfassungen und Vokabelkärtchen geschrieben. Auf diese Kärtchen habe ich in erster Linie Definitionen, größere Probleme oder Streitigkeiten zwischen Literatur und Rechtsprechung vermerkt. Denn sind wir mal ehrlich: Manche Dinge im Jurastudium müssen einfach auswendig gelernt werden.

Nachmittags habe ich mich dann mit einer guten Freundin zu einer Lerngruppe getroffen. Wir hielten das damals anders, als die meisten anderen aus unserem Semester. Wir haben keine Fälle oder Klausuren gemeinsam gelöst. Wir saßen zusammen, haben Kaffee getrunken und uns gegenseitig ca. 3-4 Stunden lang unsere Vokalbelkärtchen abgefragt. So übt man zwar nicht ‚die Klausurtaktik’ aber man lernt das Formulieren von Problemen, übt Definitionen und bereitet sich auf die mündliche Prüfung vor. Denn wisst ihr, was noch einmal ein ganz neues Problemchen ist? Jura sprechen, statt schreiben. Hui, ist uns das erstmal schwergefallen. Aber umso öfter wir uns getroffen haben und umso öfter man „vorliegend ist insbesondere problematisch, dass (…)“ gesagt hat, umso einfacher wird es.

Die Klausuren: Fünf Stunden Krieg

Nach meinem Lernplan war jetzt noch ein (halber) Tag Zeit, um eine Übungsklausur zu schreiben. Damit habe ich etwa ein Jahr vor meinem Examenstermin angefangen. Das ist wahrscheinlich etwas, was viele immer predigen, aber da muss ich mich ausnahmsweise auch anschließen: Schreibt so viele Klausuren wie es nur geht! Bringt Routine rein, nehmt euch einen festen Termin in eurem Lernplan und schreibt jede Woche eine Klausur. Wenn ihr euch zuhause nicht aufraffen könnt, geht in die Bibliothek, dort kann man beispielsweise häufig Räume mieten und ungestört sein.

Bei den Klausuren gilt wie überall im Leben: Aller Anfang ist schwer. Man kommt aus dem Studium und hat noch nie eine fünfstündige Klausur geschrieben. Ich habe erstmal ganz locker mit Skripten und Internet angefangen und mir auch wesentlich länger als den fünf Stunden Zeit gelassen. Allerdings sollte diese Handhabung nicht allzu lange andauern. Ab einem gewissen Zeitpunkt, bei mir etwa nach zwei Monaten, habe ich ohne Hilfsmittel geschrieben und nach fünf Stunden den Stift weggelegt. Nur so kann man wirklich bei der Benotung sehen, wo man steht und wo man noch mehr arbeiten muss.

Das Wichtigste: Social Life

Der für mich wichtigste Punkt an der Examensvorbereitung ist das eigene Sozialleben. Das Ziel eines guten Staatsexamens erreicht nur, wer die eineinhalb Jahre diszipliniert und voller Ehrgeiz durchhält. Und das kann man meiner Meinung nach nur, wenn man neben der Lernerei genug Ausgleich hat. Ausgleich, der einen runterbringt und glücklich macht. Ich war beispielsweise sehr oft in Sportkursen im Fitnessstudio. Erstens waren die mit ihrer festen Zeit (immer ca. 19.30 Uhr) ein perfekter Grund um pünktlich mit dem Lernen aufzuhören. Zweitens trifft man andere Leute, redet über normale Dinge und schwitzt seinen Lernstress einfach raus.

Sonntag war für mich bis zur allerletzten Woche der Examensvorbereitung lernfrei. An diesem Tag haben ich und mein damaliger Freund nur gemacht auf was wir Lust hatten. Wir lagen den ganzen Tag im Bett und haben Disneyfilme geguckt, haben Ausflüge gemacht oder waren in der Therme. Dieser Tag war für mich besonders wichtig, um wieder voller Energie in die nächste Woche zu starten. Natürlich könnt ihr Samstag auch ordentlich feiern gehen – der Sonntag darf auch mal richtig durchgekatert werden. Hauptsache ihr seid glücklich und am Montag wieder fit.

Ein letzter Tipp: Nicht aufgeben

IMG_1077Egal was der Streber neben euch sagt, egal was der Buschfunk vor der Bib hergibt und egal was Professoren in ihrer unendlichen Weisheit meinen. Die Examensvorbereitung ist für alle eine wahnsinnig schwere Zeit. Man fällt quasi ständig hin und überlegt sich einfach liegen zu bleiben und hinzuschmeißen. Ich habe noch vier Wochen vor meinem Examenstermin eine Übungsklausur mit 2 Punkten zurückbekommen. Wichtig ist, dass ihr wieder aufsteht. Dass ihr weiterkämpft. Denn all das, was andere sagen, ist nicht wichtig. Entscheidet euch für euren Weg und geht ihn selbstbewusst. Ihr schafft das, da bin ich mir ganz sicher!

Ich wünsche euch viel Erfolg in eurer Examensvorbereitung und hoffe ich konnte euch ein paar Tipps geben.

Eure Luisa

21 Kommentare zu „Mein Weg zum ersten Staatsexamen oder besser „Juhu, ich habe überlebt!“

  1. Danke für diesen tollen Beitrag liebe Luisa 🙂 ich stehe gerade am Anfang der Vorbereitung bzw. Schreibe vom 22.8-20.9 meine Studienarbeit und beginne im Novemeber mit dem Rep – schreiben werde ich im März 2019. Der Beitrag hat mir schon viel geholfen vorallem weil ich nächste Woche meinen Lernplan konzipieren möchte.

    Danke dafür – der Beitrag ist ehrlich macht aber trotzdem Mut dass man es schaffen kann auch wenn die Zeit bis dahin nicht schön wird.

    Liebe Grüße aus Regensburg

    Gefällt mir

  2. Liebe Luisa,

    hast du den Freischuss geschrieben?
    und würdest du sagen, man schafft es auch in einem Jahr, wenn man den Freischuss wahrnehmen möchte?

    Vielen Dank im Voraus!

    Herzliche Grüße

    Mara 🙂

    Gefällt mir

      1. Ok, Danke für die Antwort! 🙂 Und so im Nachhinein: hätte es für dich gereicht, schon direkt im Anschluss an das Rep, also nach nur einem Jahr Vorbereitung, das Examen zu schreiben?

        Gefällt mir

  3. Ach, ich studiere nicht mal Jura, aber deine Artikel heben meine Stimmung und sind so voller positiver Stimmungen. Das hilft mir gerade in der Klausurenphase sehr. Danke für den Blog. Auf viele weitere Artikel!

    Gefällt mir

  4. Hallo Luisa!

    Ich finde deinen Blog echt toll und freue mich schon total auf die Beiträge, die noch kommen 🙂
    Habe mal eine Frage an dich. Hast du deinen Schwerpunktbereich eigentlich vor oder nach dem Examen geschrieben? Bin nämlich grade dabei, meinen weiteren Studienverlauf ein bisschen durchzuplanen und mich würde mal interessieren, wie du das gemacht hast 🙂

    Liebe Grüße und noch viel Spaß in Dubai!
    Kim 🙂

    Gefällt mir

    1. Liebe Kim, vielenDank für deine lieben Worte! Ich habe meine Schwerpunktarbeit ein Jahr vor meinem Schriftlichen Staatsexamen geschrieben und die mündliche im November davor gehabt (Also war ich zum Staatsexamen komplett fertig mit allem 🙂 Ich würde es jederzeit wieder so machen, habe die Zeit zwischen schriftlichem und mündlichem Staatsexamen komplett frei gehabt und genießen können. 🙂 Ich hoffe, das hilft dir, wenn nicht gerne weiterfragen 🙂

      Gefällt mir

  5. Vielen Dank für die Antwort! Das hilft mir auf jeden Fall schonmal weiter 🙂
    Also hast du schon mit dem Rep angefangen, bevor du die Schwerpunktsarbeit geschrieben hast? Wenn ja, war das machbar von der Belastung her? Ich habe nämlich irgendwie das Gefühl, dass der Schwerpunktbereich ziemlich zeitaufwendig ist und war mir deswegen unsicher, ob das zeitlich überhaupt klappt wenn ich im 6. Semester noch das Hauptstudium beenden muss, dann gleichzeitig im 6. Semester mit dem SPB beginne und im 7. Semester dann auch noch die Doppelbelastung mit Rep + SPB habe. Habe halt Angst dass ich dann beides nur „halb vernünftig“ machen kann 😀

    Gefällt mir

  6. Hey Luisa,
    Habe dich vor einiger Zeit entdeckt und bin sehr froh darüber, denn du sprichst mir einige Sachen aus der Seele. Du bist für mich ein Vorbild! Bleib so wie du bist. Durch diesen Beitrag hast du mich für meine morgige Klausur (Familien-&Erbrecht #hate) motiviert, auf die ich absolut kein Bok habe. İch bin im 7. semester kurz vor dem Freischuss und habe so dermaßen Angst davor- das glaubst du mir nicht. İch liebe Jura, denn ohne Liebe wäre ich nicht so weit gekommen ( & um umzukehren ist es zu spät😂) aber die Leute wissen auch nicht welch ein unglaublicher Druck dahinter steckt… Ich glaube du wirst mir ein treuer Begleiter bis zu meinem Staatsexamen und darüberhinaus sein. Eigentlich wollte ich dir nur sagen, danke dass du mir ein Lächeln gezaubert hast und mich für morgen motiviert hast. 🤗

    Gefällt mir

  7. Hallo Luisa,

    erst einmal Glückwunsch, dass du es hinter dir hast. Ich schiebe den Scgreibetermin leider schon etwas länger vor mir her :-/

    Ich nehme an, dein Lernplan hat nur funktioniert ohne nebenbei arbeiten zu gehen?
    Oder hattest du neben sechs Lerntagen in der Woche noch Zeit für einen Nebenjob?

    Gefällt mir

    1. Liebe Lena,

      Erst einmal Kopf hoch – das wird alles! Der Lernplan mit den 6 Lerntagen pro Woche war dann tatsächlich ohne Nebenjob. Ich habe vorher im Studium einen bis zwei Tage die Woche gearbeitet und dann in der Vorbereitung aufgehört um mich voll auf die Lernerei zu konzentrieren!

      Ich drücke dich und die ganz doll die Daumen!

      Gefällt mir

  8. Hallo Luisa,
    ich komme gerade super frustriert und enttäuscht von der Lerngruppe, weil ich gefühlt gar nichts kann und die anderen richtig gut sind, obwohl ich wirklich viel lerne. Dein Artikel hat mich gerade extrem hochgezogen. Danke!

    Gefällt mir

    1. Meine Liebe,
      Lass die eins gesagt sein, SO gehts uns allen! In meiner Lerngruppe fürs erste war ich die „beste“ was bedeutete, dass mich das bis aufs wiederholen nicht wesentlich weiter gebracht hat. In der Lerngruppe fürs zweite war ich mit Abstand die schlechteste und habe so so so viel gelernt! Seh’s also ganz positiv – das ist das beste, was dir passieren kann! (Und nur eins noch: das schlecht fühlen is absolut subjektiv! Meine Lernpartnerin hat das komplett andersrum empfunden!)

      Ich drücke dich

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s