Adolf und Eva – So erkennst du Deutsche im Ausland

Tennissocken bis in die Kniekehlen und braune Sandalen – Seit Jahren DAS Erkennungszeichen des deutschen Prototyps im In- und Ausland. Als wir das erste Mal in Amerika waren, haben wir immer „Findet die Deutschen“ gespielt und wer verloren hat, musste das Abendessen für die gesamte Gruppe zahlen. Und ich sag es euch ganz ehrlich: ich habe nie gezahlt. Denn der Deutsche ist im Ausland einfacher zu finden als ein bunter Hund. Und das ganz ohne Tennissocken und Sandalen.

1. Die Anreise, Applaus für den Piloten

Das Schauspiel um den deutschen Urlauber beginnt schon bei der Anreise. Zwischen selbst mitgebrachtem Wurschtbrot und Tomatensaft startet die schönste Zeit des Jahres im bevorzugten Urlaubsbomber. Wie viele Deutsche mit dir in einem Flieger sitzen merkst du spätestens bei der Landung an der Dezibelzahl des Applauses. Ganz genau: der Deutsche applaudiert, wenn der Flieger die Destination erreicht hat. Ist ja ganz logisch: Ich klatsche auch, wenn der Busfahrer mich zur Uni gefahren oder die Edeka Verkäuferin meine Einkäufe durch das Kassenband gezogen hat.

In direkter Folge zu dem tosenden Applaus gibt der deutsch Pauschaltourist zu erkennen, dass jegliche Ansagen des Bordpersonals für ihn keine Geltung haben. Wenn also die Flugbegleiterin (Stewardess darf man übrigens nicht mehr sagen, nur zur Info für die Mohrenkopf-Liebhaber 🙂 freundlich aber bestimmt mitteilt, dass alle Passagiere auf ihren Sitzen zu verbleiben haben, bis das Flugzeug die endgültige Parkposition erreicht hat, so sind es immer die Deutschen, die noch während des Applauses aufspringen und wie von der Tarantel gestochen die Gepäckfächer aufreißen. „Naaa, der Herr in Reihe 26“ sagte einmal ein kecker Flugbegleiter und das ganze Flugzeug blickte auf Reihe 26. „Sie sind wohl nicht nur beim Sex immer der Erste, mh?“.

2. How goes? Must and you? Runs!

Kaum eine andere Nation presst ihre eigene Sprache so sehr in andere Sprachen, wie die Deutschen. Bereits die ersten Gesprächsfetzen lassen keinen Zweifel daran, wo das Gegenüber herkommt. Der Deutsche weigert sich im Englischen nämlich nicht nur beharrlich ein TH ordentlich auszusprechen, er erkennt auch die typische englische und amerikanische Begrüßungsfloskel nicht an. Ein „Hi, how are you“ oder „Hello, nice to meet you?“ vor jedem Gesprächsbeginn? Wo kommen wir denn da hin? Das würde bei einem typischen norddeutschen Landsmann bereits 90% seiner am Tag zur Verfügung stehenden Wörter aufbrauchen. Wird er in einem Geschäft von einem Mitarbeiter dann derart überschwänglich begrüßt, guckt der Deutsche etwas verwirrt und brummt bestenfalls. Geht den Mitarbeiter ja ohnehin nichts an.

Dank jährlichen Besuchen im 17. Bundesland der BRD – Spanien – spricht im Grundsatz auch jeder deutsche Tourist fließend Spanisch. Ist ja tatsächlich nicht so schwer. Im Grundsatz hängst du einfach an jedes Wort ein „OS“ hinten hin, ein zwei Begriffe musste kennen und zack – sprichste mordsmäßig spanisch. „Bringos miros mucho Bieros, Muchaco, hossa.“

3. Pünktlich wie die Maurer

Der Deutsche hält auch im Urlaub an seinen Tugenden und Prinzipien fest. Eine davon ist Pünktlichkeit. Ist als Treffpunkt 10 Uhr ausgemacht, kommt der Deutsche nicht um 10.15 Uhr, nicht um 5 nach 10 und auch nicht erst um 10 Uhr. Er hat sich bereits mit einer Stunde Puffer auf den Weg gemacht und befindet sich (spätestens) Punkt 9.45 Uhr am Ort des Geschehens. Dabei ist dem deutschen Urlauber aber nicht nur wichtig, dass er selbst strengstens pünktlich erscheint. Direkt in Verbindung mit dieser Tugend steht nämlich, es zu missbilligen, dass andere Urlauber, der Reiseführer oder der Busfahrer unpünktlich sind. Fehlt also um 9.51 Uhr von einem der genannten Personen noch jede Spur wird der deutsche Pauschaltourist ungeduldig, hängt in der Leitung des Reiseanbieters in Dauerschleife und ist bereits kurz davor, bei RTL Punkt 12 anzurufen um sich öffentlich über seinen Urlaub zu echauffieren.

Überhaupt beschwert sich der deutsche Tourist gerne und viel. Spanien im August viel zu heiß, die Strände viel zu voll und überhaupt überall andere Deutsche. Im Supermarkt gibt es keine ordentliche Wurscht und was die da Brot nennen, würde in „daheim in Deutschland“ noch nicht einmal als labbriges Toast durchgehen. Und dann das Buffet im Clubhotel. Da haben Hildegard und Hans-Peter doch für dieses 3 Sterne Hotel in Spanien 480 € für 10 Tage Urlaub ausgegeben und jetzt gibt es am Abendessenbuffet noch nicht einmal veganen Käse. Stelle sich das mal einer vor.

4. Liegen reservieren, Ehrensache!

img_1549-1Zuletzt – natürlich – die Königsdisziplin der Deutschen im Urlaub: Das Liegen Reservieren am Pool in der ersten Reihe. Früh morgendlich gegen 6.30 Uhr springt der deutsche Pauschaltourist wie ein junges Rehlein aus seinem Bettchen und schlurft in oben genannten Sandalen, wahlweise den Adidas Adiletten (ich meine ja, man könne den Deutschen Urlauber hierfür als Trendsetter bezeichnen. Oder wer sonst hat SO LANGE für die Salonfähigkeit der Adiletten gekämpft?) unter einem Turm Handtücher, der höher ist als Hans-Peter selbst, zum Pool und besetzt für Familie, Freunde und vorsichthalber 2-7 weitere Liegen zu Ersatzzwecken. Ohne mich jetzt Verschwörungstheorien hingeben zu wollen, meine ich zwischen dem Liegen Besetzen und dem Aufspringen im Flieger als aller Erster eine gewisse Verbindung erkennen zu können. Denn Leute sind wir mal ehrlich: Wer zuerst aus dem Flieger ist, ist nun mal auch als Erster am Pool.

Ich wünsche euch eine tolle Urlaubszeit und viel Spaß beim „Deutsche Raten“.

Eure Luisa

26 Kommentare zu „Adolf und Eva – So erkennst du Deutsche im Ausland

  1. Der deutscheste Deutsche ist mir in einem Türkei Urlaub begegnet. Er hat jeden Tag der Putzkraft eine bestimme Zeit „befohlen“ zu der diese sein Zimmer zu reinigen hat und ist jeden Tag zu dieser bestimmten Uhrzeit vom Pool losgerannt um zu schauen ob sie wirklich um Punkt 15:45/10:30 etc da ist. Wenn nicht ist er sofort zum beschweren getrabt. OHNE GRUND. An Tag 4 haben wir ihn mal drauf angesprochen. Der gute hieß Bernd und es gehe hier ums Prinzip. Ahja 😅

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  2. Hahaha, so wahr! Man erkennt die deutschen Touristen (ich rede mal von die, wir zaehlen da ja schliesslich nicht dazu :-)) immer aus der Ferne! Besonders gerne mag ich auch den „Wanderkleidung“ Look zum Sightseeing. Allzeit bereit!
    Finde allerdings auch diese ewige Jammerei das schlimmste. Anderes Essen im Ausland, ist das nicht irgendwie der Witz an der Sache?

    Hab weiterhin eine tolle Zeit in Dubai! Mache grad meine Wahlstation in Chicago 🙂

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  3. Hamstern am Frühstücksbuffet und natürlich die geschmierten Brötchen, zusätzlich „entwendeten“ Marmeladen- und Butterpöckchen gaaaaanz diskret in einer Tupperbox verschwinden lassen :D. Man braucht ja Vorräte, auch wenn der nächste Bäcker nur fünf Minuten weiter sein Geschäft hat … Aber der deutsche Urlauber ist halt sparsam ;).

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    1. Steckt nicht in jedem von uns ein kleiner Schwabe? 😅 Beim hamstern finde ich allerdings tatsächlich die Russen schlimmer – zumindest was ich da bisher erlebt habe! Danke für dein Feedback 😊

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  4. Ja, wir Deutschen immer Ausland! Irgendwie doch fast auch ein Grund ein bisschen stolz auf unsere Eigenheiten zu sein! Nein im Ernst, ich als Reisetante komme ja rum und tatsächlich wird es mancherorts schon etwas besser. Aber es würde mir doch ein Stück Heimat fehlen, wenn wir so gar nicht mehr deutsch Wären!

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    1. Da hast du natürlich Recht meine Liebe! Und es ist auch – wie immer – äußerst überspitzt dargestellt. Und eins kann ich dir sagen: nichts vermisse ich hier mehr als Pünktlichkeit! 😉

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  5. Folgende Szene hat sich tatsächlich genauso abgespielt.
    Landeanflug auf Singapore. Gerade hatte das Fahrwerk die Landebahn berührt, sprangen die ersten auf und begannen ihr Handgepäck zu sortieren. Nach einer Durchsage des Bordpersonals, man möge doch damit warten, bis die endgültige Parkposition erreicht sei, setzten sich die meisten murrend wieder hin. Lediglich ein „sympathischer“ Herr direkt vor uns schien das nicht zu verstehen und wühlte weiter in seinem Fach herum. Die zierliche Flugbegleiterin versuchte es noch einmal mit direkter Ansprache auf Englisch und Deutsch. Der Idiot reagierte nicht und wühlte weiter! Daraufhin wurde von der wundervollen und mutigen jungen Frau die Klappe mit Schwung zugeschlagen, obwohl der Typ noch seine Finger im Fach hatte. Trotz der Schmerzensschreie war ein leises „Oh, sorry Mister!“ zu vernehmen. Bislang hatte ich nicht gewusst, wie schön Schadenfreude sein kann!

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  6. Auch wenn ich jetzt den Spielverderber gebe. Aber die Vorurteile sind weder neu noch zutreffend. Zudem habe ich das Gefühl, dass es im Artikel mehr darum geht, der deutschen Unterschicht einen mitzugeben, die sich nur Pauschalreisen leisten kann und sich allen gängigen Klischees entsprechend, im Rudel so unmöglich aufführt.

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    1. Lieber Horst,
      Alle Beispiele sind wie immer überspitzt und – da alle Geschichten aus eigenen Erfahrungen herrühren – soll dieser Blogpost wohl nicht dazu dienen, irgendwen „schlecht darzustellen“ der sich „nur Pauschalreisen leisten kann“, denn offensichtlich war ich ja jeweils eine dieser Touristen. Dass die Klischees nicht neu sind, sollte klar sein. Ich erfinde hier ja das Rad nicht neu und bin die erste, die über Urlaub in Spanien oder den USA scherzt. Vielen Dank für dein Feedback!

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  7. Ich muss irgendwie ne echte Ausnahme sein. Ich habe im Nachhinein einmal über einen Urlaub gemeckert. Das war 1985. Mit 63 müssten wir, um den Durchschnitt nicht zu gefährden, bei unseren durchschnittlich jährlichen 2 Urlaubsreisen so manchen Kellner oder Empfangsmitarbeiter richtig piesacken. Das mit den Liegen habe ich mal erlebt. Die Hotelangestellten haben (nach Ankündigung) ab einem bestimmten Zeitpunkt alle Handtücher in den Pool befördert. Hat geholfen.

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  8. Hi,

    ich habe mich mal einem Freund gegenüber geäußert, die Deutschen würden sich immer über alles beschweren, das sei einfach typisch. Daraufhin sagte er: „Siehst du. Und jetzt beschwerst du dich, dass die Deutschen sich immer beschweren. Du bist ein typischer Deutscher.“ Trifft auf deinen Artikel ja auch irgendwie zu ;-).

    Aber mal im Ernst: Schöner und witziger Artikel. Vieles davon habe ich so oder so ähnlich auch schon beobachtet. Insbesondere Tomatensaft im Flugzeug kann ich nicht nachvollziehen. Ein einziger mittelschwerer Wackler und man hat das Zeug überall…

    Viele Grüße,

    Tim (von „Ich konnte den Hund noch nie leiden“)

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    1. Vielen Dank lieber Tim 😁 Es wäre absolut gelogen, würde ich behaupten, nicht auch das ein oder andere Klischee zu erfüllen (ich sag nur Pünktlichkeit 😉

      Vielen Dank für deinen tollen Kommentar!

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  9. Haha, nach 7 Monaten hier in Australien kann ich nur sagen: JAAA, man! Wir sind alle so Deutsch. 😀
    Es ist einfach so witzig zu beobachten, zumal man selbst eben auch viele dieser Eigenschaften hat. Aber so nach und nach nimmt man, wenn man länger hier lebt, eben auch Eigenschaften an oder legt sie ab. Sehr schön zu beobachten.
    Wir Deutschen können oft nicht aus unserer Haut und gerade dieses Hey, how are you? hat mich am Anfang wahnsinnig gemacht! (JA, ich bin Norddeutsch…) Ich hasse Smalltalk, aber mittlerweile habe ich mir auch das gut angwöhnt. Gleichzeitig ist es aber auch schön, von anderen Nationalitäten zu hören, dass sie in vielen Dingen auch gerne mehr von uns hätten. Mehr Pünktlichkeit, mehr Disziplin und Arbeitsmoralität, das hätte ich auch nicht gedacht. Aber so hätten wir alle gerne was von den anderen Nationalitäten ab, ich zum Beispiel hätte oft gerne mehr Gelassenheit. 🙂

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  10. Ich war 12 im Urlaub mit meinen Eltern. Nach den vielen Englisch und andere Sprachen, war ich total glücklich auf einen Menschen zu treffen, der Deutsch sprechen konnte… aber dieser Mensch dachte, dass ich eine Einheimische war und als ich ihn strahlend fragte, ob er aus Deutschland käme? War er plötzlich stumm wie ein Fisch. So erkennt man auch Deutsche 😊

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